Nachfolgerin von Margarete Koppers: Anti-Terror-Expertin übernimmt Generalstaatsanwaltschaft
Justizsenatorin Badenberg ernennt Claudia Gorf zur Generalstaatsanwältin. Sie war an den Ermittlungen zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz beteiligt.
Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte
dpa | Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft wird künftig von Claudia Gorf geleitet. Die gebürtige Niedersächsin tritt zum 1. Dezember die Nachfolge von Margarete Koppers an, wie die Senatsverwaltung für Justiz mitteilte. Der schwarz-rote Senat folgte am Dienstag dem Vorschlag von Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU).
„Mit Claudia Gorf gewinnt Berlin eine außerordentlich erfahrene und hoch angesehene Strafverfolgerin an der Spitze der Generalstaatsanwaltschaft“, erklärte Badenberg. Die 54-Jährige verfüge „über herausragende Expertise insbesondere bei der Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Staatsgefährdung“. „Diese Erfahrungen werden für die Berliner Justiz von großem Wert sein“, erklärte die CDU-Politikerin.
Gorf stammt aus Hannover und studierte auch dort. 2001 wurde sie zur Staatsanwältin ernannt. Von 2004 bis 2010 war sie an den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (BGH) abgeordnet. Im Jahr 2010 wurde sie zur Bundesanwaltschaft versetzt und zur Staatsanwältin beim BGH ernannt. Es folgten weitere Beförderungen, seit 2021 ist die Juristin Bundesanwältin beim BGH.
Bei der Generalbundesanwaltschaft befasste sich Gorf laut Justizverwaltung vor allem mit dem islamistischen Terrorismus und anderen gegen die innere Sicherheit Deutschlands gerichtete Straftaten. Schwerpunkte waren dabei die Folgen des syrischen Bürgerkriegs, Aktivitäten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) und Ermittlungen zur Terrorismusfinanzierung.
Die Juristin war laut Badenberg auch an der strafrechtlichen Aufarbeitung des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 beteiligt. Durch die Tat starben 13 Menschen, mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Der Attentäter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.
Koppers als erste Frau in diesem Amt
Die amtierende Generalstaatsanwältin Margarete Koppers scheidet laut Justizverwaltung „regelgerecht“ nach ihrem 65. Geburtstag aus. Die Juristin hatte unter dem Grünen-Justizsenator Dirk Behrendt als erste Frau die Leitung der Behörde übernommen. Sie wechselte zum 1. März 2018 von der Berliner Polizei, wo sie Vizepräsidentin war, in die Justiz.
Bei der Generalstaatsanwaltschaft sind nach früheren Angaben 135 Menschen tätig, darunter 33 Oberstaatsanwältinnen und Oberstaatsanwälte. Zudem ist die neue Chefin für mehr als 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Amts- und Staatsanwaltschaft verantwortlich. Auch diese beiden Behörden werden seit Anfang dieses Jahres mit Ingrid Jaeger und Nina Thom von Frauen geleitet.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert