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Aus von Berlins Kultursenator ChialoDie Schattensenatorin übernimmt selbst

Sarah Wedl-Wilson wird neue Berliner Kultursenatorin. Die Staatssekretärin von Ex-Amtsinhaber Chialo hatte den Laden zuletzt ohnehin allein geschmissen.

Rainer Rutz

Aus Berlin

Rainer Rutz

Das ging schnell. Nur drei Tage nach dem Rücktritt von Kultursenator Joe Chialo (CDU) präsentierte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (ebenfalls CDU) eine Nachfolgerin: Chialos bisherige Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson soll es richten.

„Ich habe sehr schnell gemerkt, dass Sarah Wedl-Wilson ein hohes Vertrauen genießt bei den Kulturschaffenden, und das brauchen wir jetzt“, sagte Wegner am Montag im Roten Rathaus bei der Vorstellung der Personalie. Chialo erwähnte er mit keinem Wort.

Mit der Festlegung auf die parteilose Kulturstaatssekretärin beendete Wegner auch Spekulationen, er selbst werde das vakante Amt zusätzlich übernehmen und Kultur damit zur Chefsache machen. Wedl-Wilson, hieß es, könne dann ja weiter die tägliche Verwaltungsarbeit machen. Nichts da, stellte der als nicht sonderlich kulturaffin geltende Senatschef nun klar: „Sarah Wedl-Wilson ist genau die Richtige.“

Die 56-Jährige soll den Laden sowieso seit Längerem schon weitgehend ohne Chialo geschmissen haben: Nachdem der gewesene Senator die Brachialkürzungen im aktuellen Haushalt mit dem Feingespür einer Dampfwalze erst schöngeredet hatte, war er zuletzt fast gänzlich abgetaucht.

„Offene und transparente Kommunikation“

Aufgefallen ist die Abwesenheit Chialos etwa bei dem nach den Protesten gegen die Kürzungen angeleierten „Kulturdialog“ mit ausgewählten Ver­tre­te­r:in­nen der Kunst- und Kulturszene. Den Dialog führten der Regierende Wegner und Chialos Staatssekretärin Wedl-Wilson.

Die ehemalige Rektorin der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ betonte am Montag dann auch, dass ihr „eine offene und transparente Kommunikation“ mit großen Häusern wie auch der freien Szene „sehr am Herzen“ liege.

„Berlin ist eine ganz großartige Kulturmetropole“, das gelte es zu sichern und zu stabilisieren, sagte Wedl-Wilson. Wegner assistierte: Es sei die „klare Zielrichtung des Senats“, trotz aller Haushaltsnöte „keine Einrichtung in dieser Stadt zu schließen“. Wer wollte, konnte das als Bekenntnis interpretieren: Nicht zuletzt die Komische Oper wird immer wieder als möglicher Schließungskandidat gehandelt.

Ebendiese Kiste hatte ausgerechnet Ex-Senator Joe Chialo am Freitag in seiner Rücktrittserklärung erneut aufgemacht. So sprach er hier von der „drohenden Schließung von bundesweit bekannten Kultureinrichtungen“ im Zuge des anstehenden Doppelhaushalts 2026/27. Konkreter wurde er aber nicht.

Chialos bizarrer Abschiedsgruß

Insgesamt wurde Chialos Abschiedsgruß als reichlich bizarr bewertet. Vor allem die Aussage, er habe im vergangenen Jahr die massiven Kürzungen in seinem Etat nur „schweren Herzens mitgetragen“, sorgte für Irritationen.

Immerhin hatte Chialo nach übereinstimmenden Berichten aus den zurückliegenden Haushaltsverhandlungen das 130-Millionen-Euro-Harakiri in seinem Verantwortungsbereich nicht nur widerstandslos hingenommen. Er soll ursprünglich sogar eine Kürzungsliste mit einem mehr als doppelt so hohen Einsparbetrag eingereicht haben. Ein Versehen, hieß es im Nachgang. Gleichwohl sagt es viel aus über das Engagement des Senators für den ihm anvertrauten Bereich Kunst und Kultur.

Seine Nachfolgerin Sarah Wedl-Wilson will es nun besser machen. Bei der nächsten Sitzung des Abgeordnetenhauses am 24. Mai soll sie vereidigt werden.

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1 Kommentar

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  • shantivanille

    "Die Staatssekretärin von Ex-Amtsinhaber Chialo hatte den Laden zuletzt ohnehin allein geschmissen."

    Kann sein. Nach seinem Einsatz gegen Antisemitismus hatte die entsprechende Szene Chialo und seiner Familie mit Gewalt gedroht. Auch noch so viele Polizisten sind keine Überlebensgarantie. Wollte er seine Familie schützen, blieb ihm nur der Rückzug.



    www.zdf.de/nachric...-konflikt-100.html

    Wedl-Wilson scheint mit dieser Szene besser klarzukommen.

    Die ZEIT hat im letzten Jahr mal einen sehr differenzierten Artikel zu Chialos Antisemitismus-Klausel gebracht, kann man nur empfehlen:

    ZEIT: "Der Berliner Weg, den Antisemitismus in der Kunst zu beseitigen - Berlin will nur noch Künstler fördern, die sich gegen Antisemitismus bekennen. Kulturschaffende wehren sich dagegen in einem offenen Brief – mit schlechten Argumenten."

    Was sonst?

    www.zeit.de/kultur...ialo-offener-brief