Berliner Kultursenatorin: „Zusammenarbeit hat es in diesem Sinne nie gegeben“
Sarah Wedl-Wilson, die neue parteilose Kultursenatorin, distanziert sich deutlich vom politischen Stil ihres Vorgängers und Ex-Chefs Joe Chialo.
Foto: IMAGO / Funke Foto Services
dpa | Berlins neue Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hat sich mit Blick auf die Kürzungen in der Hauptstadtkultur von ihrem Vorgänger Joe Chialo (CDU) distanziert. „Eine Zusammenarbeit mit Herrn Chialo hat es in diesem Sinne nie gegeben“, sagte Wedl-Wilson dem Spiegel. Die parteilose Politikerin war unter Chialo, der Anfang Mai zurückgetreten war, Kulturstaatssekretärin.
„Wir hatten eine ganz unterschiedliche Auffassung davon, was Zusammenarbeit heißt – sowohl was die Arbeit hier in der Senatsverwaltung betrifft, als auch die Arbeit mit der Kulturszene“, sagte Wedl-Wilson weiter auf die Frage, ob es nicht auch ihre Politik war, die für die Missstimmung gesorgt hatte.
Der schwarz-rote Berliner Senat hatte im vergangenen Jahr einschneidende Kürzungen im Landeshaushalt 2025 beschlossen, auch bei der Kultur. 2026/2027 sollen weitere Einsparungen folgen. Die Kulturszene hatte lautstark protestiert, öffentliche Kritik richtete sich dabei auch gegen Chialo.
Kein Austausch mit AkteurInnen
„Ich glaube, der Schock resultierte einerseits aus der Höhe des Betrags und andererseits aus fehlendem Dialog und mangelhafter Kommunikation“, sagte Wedl-Wilson. „Die Kulturschaffenden sagen von sich aus eigentlich alle: Wenn es einen Konsolidierungsdruck gibt und wenn der gesamte Haushalt geschrumpft wird, dann muss natürlich jeder einen Beitrag dazu leisten“. Doch diese Auseinandersetzung, dieses Austauschen mit den Akteurinnen und Akteuren habe nicht angemessen stattgefunden.
Die 1969 in Großbritannien geborene Politikerin war kürzlich als Kultursenatorin vereidigt worden. Wedl-Wilson hat als langjährige Kulturmanagerin nicht nur Erfahrung in der Senatskulturverwaltung. Sie gilt auch als langjährige Kennerin der Berliner Kulturszene. Vor ihrem Wechsel in die Kulturverwaltung beim Start des schwarz-roten Senats Ende April 2023 war sie unter anderem mehrere Jahre Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert