Nach dem Anschlag in Nizza: Der Strand ist leer
Die Stimmung am Abend war heiter. Dann kam der Anschlag. Am Tag danach ist der Strand von Nizza verlassen.
Doch der Strand ist leer. Selbst Richtung Westen, wo keine Polizisten stehen und nichts abgesperrt ist: Niemand wagt sich ans Meer. Die wenigen Spaziergänger blicken kaum hin. Ein paar Besucher, die in Badekleidung gekommen sind, haben sich oben auf die Treppen gesetzt. Weiter geht keiner. Das Meer liegt still da. Türkis, nicht azur, aber still und glatt.
Am Abend war es schwarz. Schwarz, aber die Stimmung war heiter. Der Kies leuchtete noch lange am Abend hellgrau, dafür war genug Restlicht vorhanden. Das große Feuerwerk zum 14. Juli ist auch in Nizza eine Sache, die im französischen Sinne „populaire“ ist, was sich weder mit „populär“ noch mit „volkstümlich“ richtig übersetzen lässt. Nur ganz langsam hatte sich zwischen neun und zehn die Promenade gefüllt, man muss nicht Stunden vorher da sein wie in Paris, um etwas zu sehen.
In Nizza bildet das Meer ein Theater, die Feuerwerkskörper werden von Booten aus gezündet, man hat gute Sicht von überall. Mit nur einer Minute Verspätung hat das Feuerwerk um 22.01 Uhr begonnen, nach genau 20 Minuten war es vorbei. Der Zauber des Feuerwerkes liegt darin, dass es knallt und explodiert, aber keiner an etwas Böses denkt. Ooh und Aah haben auch hier die Leute gerufen, ausgelassen, befreit, der Frieden, der bum macht.
Manche von ihnen waren am Nachmittag noch im Wasser. Der Strand von Nizza ist nie leer, selbst bei schlechtem Wetter nicht. Aber am Tag nach dem Attentat ist er leer.
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