Nach Terroranschlag in Ankara

Türken fürchten Gewalt in Deutschland

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Gökay Sofuoğlu warnt vor Polarisierung auch in Deutschland. Auf zahlreichen Demos wird Trauer und Wut bekundet.

viele Menschen auf einer Straße mit Fahnen und einem Bild von Öcalan

Kurden demonstrieren in Hamburg und beschuldigen die türkische Regierung der Eskalation. Foto: dpa

KÖLN/BERLIN afp/dpa | Nach dem jüngsten verheerenden Bombenanschlag in Ankara und einer zunehmenden Eskalation in der Türkei hat der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoğlu, vor gewaltsamen Auseinandersetzungen auch in Deutschland gewarnt. „Als (Recep Tayyip) Erdoğan Staatspräsident wurde, hat diese Polarisierung in Deutschland angefangen“, sagte Sofuoğlu dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Sobald in der Türkei etwas passiert, gehen die Leute auf die Straße. Und so wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier.“

Er beobachte, „dass in den sozialen Medien sehr schnell von allen Seiten zu Demonstrationen aufgerufen wird, die gar nicht genehmigt sind“, sagte Sofuoğlu. Sowohl auf türkischer als auch auf kurdischer Seite entwickelten sich verschiedene Gruppierungen.

So gebe es auf der einen Seite sogenannte Osmanen in Deutschland, die sich als gewaltbereite Verteidiger des Türkentums bezeichneten. Auf der anderen Seite stünden Anhänger von „Apo“, die bei Demonstrationen vermummt aufträten und auf ihren Plakaten teilweise von Vergeltung sprächen. „Apo“ ist der Kosename seiner Anhänger für den inhaftierten Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan. Beide Gruppen seien zwar in der Minderheit, betonte der Chef der Türkischen Gemeinde, fügte jedoch hinzu: „Wehret den Anfängen“.

Bei dem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara am Samstag wurden mindestens 97 Menschen getötet, mehr als 500 weitere wurden verletzt. Die türkische Regierung verdächtigt die Islamistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Prokurdische Demonstrationen am Wochenende

Unmittelbar nach dem verheerenden Terroranschlag in der Türkei haben in mehreren deutschen Städten Tausende Kurden und Sympathisanten gegen den Terror demonstriert. Bei Kundgebungen machten Teilnehmer den türkischen Staat und den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan für die Tat verantwortlich. „Kein Beileid für Erdoğan aussprechen, denn er ist der Täter“, stand auf einem Schild bei einer Demonstration am Samstag in Hamburg. Die größte Kundgebung wurde aus Stuttgart gemeldet, wo spontan etwa 5.000 Menschen auf die Straße gingen.

In Hamburg beteiligten sich 1.500 überwiegend Kurden, in Berlin 1.000, in Freiburg etwa 700 und in Mannheim bis zu 400. „Sag Nein zum Staatsterror“ forderten 200 Teilnehmer in Karlsruhe. In Heilbronn kamen etwa 350 Menschen zu einer Demo der Kurdischen Gemeinschaft. Auch in Dresden, Ulm, Heidenheim und Pforzheim wurde demonstriert. Nennenswerte Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

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