Nach Rückeroberung von Mossul: Amnesty fordert Ermittlungen
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt eine unabhängige Kommission. Sie solle Verbrechen „durch alle Konfliktparteien“ untersuchen.
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afp | Nach der Rückeroberung von Mossul von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International unabhängige Ermittlungen zu Verbrechen an Zivilisten in der nordirakischen Stadt gefordert. „Die Missachtung menschlichen Lebens durch alle Konfliktparteien darf nicht ungestraft bleiben“, erklärte die Nahost-Beauftragte der Menschenrechtsorganisation, Lynn Maalouf, am Dienstag.
Amnesty forderte die sofortige Einsetzung einer „unabhängigen Kommission“. Diese solle in den Fällen, in denen es „glaubwürdige Beweise“ für die Verletzung internationalen Rechts gebe, sicherstellen, dass tatsächlich Ermittlungen gebe und die Ergebnisse anschließend veröffentlicht würden.
Den IS-Dschihadisten wirft die Menschenrechtsorganisation vor, Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht und „hunderte, wenn nicht tausende“ Menschen auf ihrer Flucht vor den Kämpfen getötet zu haben. Die Opfer seien teils an öffentlichen Plätzen aufgehängt worden.
Die irakischen Truppen und die US-geführte Anti-IS-Koalition wiederum hätten bei der Rückeroberung Mossuls dabei „versagt, angemessene Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten zu ergreifen“. Im Stadtgebiet seien „unpräzise, explosive Waffen“ und unverhältnismäßige Gewalt eingesetzt worden. So seien etwa im März bei einem Luftangriff auf zwei IS-Scharfschützen 105 Zivilisten getötet worden.
920.000 Zivilisten ergriffen die Flucht
Am Montag hatte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi rund acht Monate nach dem Beginn einer Großoffensive den endgültigen Sieg über die IS-Miliz in Mossul verkündet. Die Dschihadisten hatten die Stadt 2014 überrannt und in den von ihnen eroberten Gebieten im Irak und in Syrien ein „Kalifat“ ausgerufen. Die irakischen Truppen begannen dann im Oktober mit der Rückeroberung von Mossul.
Während der monatelangen Kämpfe um die Stadt verzeichneten Hilfsorganisationen enorme Schäden. Tausende Menschen wurden getötet oder verletzt, ein Großteil der Stadt liegt nunmehr in Schutt und Asche, nahezu 920.000 Zivilisten ergriffen die Flucht.
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