Nach Polizeieinsatz in Saint-Denis: Angst vor dem „Terrorstempel“

„Böse Menschen gibt es überall“, sagen Anwohner von Saint-Denis im Norden von Paris. Sie haben nach dem Polizeieinsatz Sorge vor den Schlagzeilen.

Forensiker in weißer Kleidung hinter einem Absperrband, davor Polizisten

Forensiker am Mittwoch am Ort des Geschehens nach dem Einsatz in Saint-Denis. Foto: ap

SAINT-DENIS taz | Jose, Ende 60, wurde durch den Polizeieinsatz aus dem Schlaf gerissen. Er wohnt knapp 100 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Er habe drei bis vier Explosionen gehört, berichtet er. „Und als ich aus dem Fenster schaute, waren überall Polizisten, Soldaten und Feuermänner.“ Er schaltete den Fernseher an. „Bleiben Sie in der Wohnung haben sie gesagt, also blieb ich da.“ Erst gegen halb eins konnte er seine Wohnung verlassen.

Jetzt steht er neben der Polizeiabsperrung und schaut ins Leere. „Ich hätte das nie gedacht, dass es nun auch hier trifft“, sagt er leise. Seit 1963 lebt er hier im Norden von Paris und immer sei alles friedlich gewesen. Aber jetzt? „Wir müssen normal weiterleben“, sagt er. „Aber wir haben Angst. Wir wissen ja nicht, wie viele es von denen hier noch gibt.“

Als die Polizei die weiträumige Absperrung lockert, rennen Hunderte Journalisten und Schaulustige durch die Fußgängerzone in Richtung der Wohnung, die am Mittwochmorgen gestürmt wurde. Die Rolltore der Geschäfte sind heruntergelassen, einige Anwohner schauen von ihrem Balkon herab, manche lassen Kameraleute hinauf. Bis auf eine Querstraße kommt man nun an den Tatort heran. Zwei Polizeibusse versperren die Sicht, eine Handvoll Beamte hält die Menge auf Abstand.

Ganz vorne am schwarz-gelben Flatterband steht Rabah, 42, Jeans, Sonnenbrille, mit ein paar Bekannten, sie wohnen in der Nähe. „Das ist Krieg“, sagt er, „es ist so unwirklich.“ Er sei selbst Muslim, vor 10 Jahren aus Algerien eingewandert: „Aber hier trinken die meisten Muslime Bier.“

Wir sind keine Extremisten, will er damit sagen, wir haben mit denen nichts zu tun. Die Konsequenz ist für ihn klar: Jetzt müssten weltweit alle zusammenarbeiten, um die Terroristen zu bekämpfen. Die harte Linie, die Präsident Hollande nun fährt, sei genau richtig.

Und für Saint-Denis hofft er, dass der Ort nun nicht mit einem negativen Stempel behaftet bleibt. „Es gibt doch überall böse Menschen.“

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