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Nach Haft in SyrienKurdischer Journalist Polad an die Türkei ausgeliefert

Nach monatelanger Haft in Syrien wurde der kurdische Journalist Ahmet Polad an die Türkei ausgeliefert. Angehörige befürchten, dass er im Gefängnis verschwinden könnte.

Nach fast achtmonatiger Haft in syrischen Gefängnissen wurde der kurdische Journalist Ahmet Polad am 9. September an die Türkei ausgeliefert. Sein offizieller Name ist Mehmet Nizam Aslan. Seit 2016 arbeitete er als Reporter, Moderator und Programmmacher für die kurdischen Medien Etha, Özgür TV und Kurdistana Azad.

Polad ist Mitglied der Gewerkschaft YRA/Free Press Union in Syrien (Rojava). Am 19. Januar 2026 war Polad gemeinsam mit der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann in Raqqa von islamistischen Milizen verschleppt worden. Die Stadt stand lange unter Kontrolle der kurdisch-dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF). Kurz vor der Verschleppung der beiden Jour­na­lis­t*in­nen hatten islamistische Verbände gemeinsam mit den Truppen der syrischen Übergangsregierung die Gebiete angegriffen und erobert.

Über Wochen war der Aufenthaltsort von Michelmann und Polad unbekannt. In Deutschland gründete sich ein Solidaritätsnetzwerk, dass mit der Parole „Wo sind Eva und Ahmet?“ Aufklärung über das Schicksal der beiden Jour­na­lis­t*in­nen forderte. Erst nach mehreren Wochen wurde bekannt, dass Michelmann in einem Gefängnis in Aleppo inhaftiert war. Mitte Juni konnte sie nach Deutschland ausreisen. Seitdem wuchs die Sorge um das Schicksal von Polad. Die Solidaritätsorganisation Peoples-Bridge forderte von den EU-Staaten, eine Aufnahme des Journalisten. Dem schloss sich auch Michelmann in einem Interview mit der taz an.

Als kurdischer Journalist in der Türkei verfolgt

„Bitte nutzen Sie Ihre rechtlichen und diplomatischen Möglichkeiten, um das Leben von Ahmet zu schützen. Er kann unter humanitären Schutz gestellt und in Deutschland wieder mit mir zusammengeführt werden. Er kann auch in ein anderes EU-Land in Sicherheit überführt werden“, lautete ihr Appell an die zuständigen Stellen in Deutschland und der EU.

Im Gespräch mit der taz kritisiert der Rechtsanwalt Roland Meister, der Michelmann juristisch vertrat, dass deutsche Stellen jegliche Unterstützung für Polad mit dem Verweis ablehnten, er sei kein deutscher Staatsbürger. „Dabei war klar, dass Polad als kurdischer Journalist in der Türkei Verfolgung ausgesetzt ist“, monierte Meister. Tatsächlich wurde Polad nach Angaben von Etha am 11. September ins Istanbuler Metris-Gefängnis gebracht.

Etha berichtete auch, dass Polads Vater seinen Sohn im Metris-Gefängnis kurz besuchen konnte. Er berichtete, dass er stark abgemagert und erschöpft gewirkt habe. Gegenüber seinem Vater erklärte Polad, dass er in den letzten acht Monaten im Gefängnis gefoltert wurde und längere Zeit einen Hungerstreik durchführte. Die Initiative Freiheit für Eva und Ahmet fordert die unverzügliche Einlieferung von Polad in ein Krankenhaus, damit er die medizinisch notwendige Behandlung bekommt.

Auch Rechtsanwalt Meister erklärte gegenüber der taz, man werde versuchen, weiterhin Öffentlichkeit im Fall Polad herzustellen. „Es muss verhindert werden, dass Polad einfach in türkischen Gefängnissen verschwindet. Schließlich habe er in den kurdischen Gebieten nur seine journalistische Arbeit gemacht.“

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