Nach Einigung auf Postmindestlohn: Pin will 1.000 Mitarbeiter entlassen

Die Pin-Gruppe reagiert auf den Postmindestlohn-Beschluss mit Massenentlassungen. Die SPD hält behauptete Verluste für "völlig übertrieben".

Müssen um ihre Jobs bangen: Pin-Mitarbeiter Bild: dpa

BERLIN taz In der Postbranche wird den ersten Mitarbeitern gekündigt: Die PIN Group gab am Dienstag bekannt, dass sie weit über 1.000 Mitarbeiter entlassen werde - und zwar "infolge der geplanten Einführung des Mindestlohns für Briefzusteller". Besonders Bayern und Niedersachsen sollen betroffen sein. Gleichzeitig warnte das Unternehmen, dass "eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze im Konzern gefährdet" seien. Momentan hat die PIN Group mehr als 9.000 Beschäftigte und gehört seit kurzem zum Springer-Verlag.

Ab Januar wird für Briefzusteller ein neuer Mindestlohn von 8 bis 9,80 Euro pro Stunde gelten. Bisher zahlen die privaten Post-Konkurrenten jedoch im Durchschnitt nur 7,33 Euro, wie eine Erhebung der Bundesnetzagentur im Oktober ergeben hat. Schon in den letzten Wochen hatten die privaten Postdienstleister daher mit Schätzungen aufgewartet, dass durch den neuen Mindestlohn rund 20.000 Stellen verloren gehen könnten. Insgesamt sind in der Postbranche 414.600 Menschen beschäftigt, wie die Bundesnetzagentur ermittelt hat.

Auch der zweite große Postkonkurrent - die niederländische TNT - hat angekündigt, ihre Expansionspläne in Deutschland vorerst aufzugeben. Ursprünglich wollte das Unternehmen mit dem Paketversender Hermes Logistik zusammenarbeiten. Bisher sind knapp 6.000 Menschen bei TNT in Deutschland beschäftigt. Zu möglichen Entlassungen will sich TNT jedoch nicht äußern. "Das sind reine Spekulationen", sagte eine Sprecherin der taz am Dienstag. "Wir prüfen alle Optionen."

Es ist etwas unklar, wie dramatisch die wirtschaftliche Lage der Post-Konkurrenten tatsächlich ist. Von der PIN Group ist bekannt, dass sie im laufenden Jahr mit einem Verlust von 55 Millionen Euro rechnet - bei einem Umsatz von nur rund 350 Millionen Euro. Offenbar steht auch die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel: Am Dienstag hieß es, die PIN prüfe ihr Geschäftsmodell und ihre künftige Strategie "im Hinblick auf den Fortbestand des Unternehmens".

Die TNT hingegen hüllt sich in Schweigen. "Wir treffen keine Aussagen hinsichtlich unserer Geschäftsergebnisse." Die Süddeutsche Zeitung hatte am Dienstag gemeldet, dass TNT mit seinen deutschen Postgeschäften bisher keine Gewinne machen würde. Diese Angabe wollte das Unternehmen nicht kommentieren. Im Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2007 wird jedoch angegeben, dass das Postgeschäft in Deutschland "wesentlich" zum Profit dieses Unternehmenssektors beigetragen habe. Insgesamt lag der Netto-Gewinn von TNT weltweit bei 167 Millionen Euro.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Post-Experte Klaus Barthel hält es für "völlig übertrieben", dass die neue Lohnuntergrenze 20.000 Stellen kosten wird. "Es ist doch genau umgekehrt: Ohne Mindestlohn wären gut bezahlte Arbeitsplätze durch Billigjobs zerstört worden." Die SPD will daher weitere Lohnuntergrenzen vereinbaren. Denkbare Branchen wären: der Garten- und Landschaftsbau, das private Bewachungsgewerbe sowie die Fleischerei- und Schlachtbetriebe.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben