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'ND‘ — Sanierung oder Konkurs

■ Es gibt einen Interessenten für das 'Neue Deutschland‘/ Media Consulta handelt im Einverständnis mit der Verlagsleitung/ Die Agentur hat im Auftrag der Treuhand schon einige Verlage privatisiert

Berlin. Über die Zukunft der ostdeutschen überregionalen Tageszeitung 'Neues Deutschland‘ hatte gestern die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR zu entscheiden. Ihr lagen sowohl ein Antrag der Treuhandanstalt zur Sanierung des Blattes als auch eine Liquiditätsanalyse vor, die ausweist, daß der Verlag kurz vor dem Konkurs steht.

Die Kölner Medienberatungsagentur Media Consulta hatte im Auftrag der Treuhand ein Gutachten über die Sanierungsfähigkeit nach betriebswirtschaftlichen und medienpolitischen Gesichtspunkten erstellt und war zu einem bedingt positiven Ergebnis gekommen. Nach einer erst vor wenigen Tagen erstellten Liquiditätsanalyse stehe 'Neues Deutschland‘ (Auflage: 100.000 Exemplare) kurz vor dem Konkurs, bestätigte Harald Zulauf von der Beratungsagentur. Ein Interessent für das Blatt sei gefunden worden, Zulauf wollte aber mit Blick auf die noch ausstehende Entscheidung der Kommission keine Einzelheiten nennen. Er wies ausdrücklich darauf hin, daß Media Consulta im Einverständnis mit der Verlagsleitung gehandelt habe. »Die haben eingesehen, daß wir — obwohl wir politisch aus einer anderen Ecke kommen — ihnen helfen können.« Die Agentur berät in Bonn mehrere Bundesministerien und hat im Auftrag der Treuhand bereits einige Verlage privatisiert, zuletzt den Berliner Landwirtschaftsverlag.

Der stellvertretende Chefredakteur von 'Neues Deutschland‘ Rainer Oschmann bewertete in einer Stellungnahme gestern den Stand der Verhandlungen eher skeptisch. »Die Kuh ist noch nicht vom Eis.« Ungewiß sei die Zukunft auch mit einem neuen Partner, dessen verlegerische Kompetenz man zudem noch nicht kenne. Es könne nicht gleichgültig sein, welche Richtung der neue Geldgeber verfolge.

Die Mitgesellschafterin PDS soll sich einer Privatisierung der Zeitung nicht mehr verschließen. Parteichef Gregor Gysi soll sich vorliegenden Informationen nach auch mit einer Übernahme der Mehrheitsanteile des Verlages durch einen neuen Gesellschafter einverstanden erklärt haben. Der ausgewählte Partner soll eine Firma mit Sitz in Malta sein. Ein möglicher Hinweis auf frühere SED- Auslandsfirmen scheint ausgeschlossen, es sprechen nach Ansicht von Branchenkennern eher die Steuergesetze der Insel für die Wahl des Firmensitzes. Die Unabhängige Kommission hatte heute für den späten Nachmittag eine Pressekonferenz in Berlin anberaumt, auf der die Entscheidung über die Zukunft von 'Neues Deutschland‘ bekannt gegeben werden sollte. dpa

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