Mitbestimmung: Sechs auf einen Streich im Boot

In den sechs Hamburger Fitness First-Studios haben die Wahlen für einen gemeinsamen Betriebsrat begonnen. Gewerkschaft Ver.di klagt über Behinderungen.

In der Fitness-Branche gibt es viele prekäre Jobs. Umso mehr Angestellte wollen Mitbestimmung. Bild: dpa

Der Countdown läuft: In den Hamburger Filialen der Fitnessstudio-Kette Fitness First sind am Mittwoch die Betriebsratswahl in die heiße Phase gegangen. "Die Wahlausschreiben sind heute in den sechs Filialen ausgehängt worden", sagte Hendrik Beyer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats in Hannover. An der Elbe sind nun 120 MitarbeiterInnen aufgerufen, sich eine siebenköpfige Belegschaftsvertretung zu wählen.

In der Branche zählt das international agierende Unternehmen Fitness First - ehemals Fitness Company- zu den Weltmarktführern. In Hamburg hatten die Belegschaften schon früher versucht, in einzelnen Filialen Betriebsräte aufzubauen. "Das ist aber regelmäßig zerbombt worden", so Achim Meyer-Heithuis, Sekretär der Gewerkschaft Ver.di im Fachbereich "besondere Dienstleistungen". In persönlichen Gesprächen sei dahingehend "Einfluss" auf die Betroffenen genommen worden, dringend von Betriebsratswahlen Abstand zu nehmen.

Deshalb will Ver.di die für den 11. Juni anberaumten Wahlen diesmal umso enger begleiten. In den vergangenen zwei Jahren hat die Gewerkschaft bereits an anderen Standorten des Unternehmens im ganzen Bundesgebiet die Betreuung neu gegründeter Belegschaftsvertretungen übernommen. Mitarbeitervertretungen sind gerade in der Freizeitbranche, wo viele Angestellte in Teilzeit, als Aushilfen oder freiberufliche Trainer arbeiten - also in "prekären" Arbeitsverhältnissen - durchaus keine Selbstverständlichkeit: "Die müssen von den Kolleginnen und Kollegen teilweise erkämpft werden", sagt der Gewerkschafter Meyer-Heithuis.

Der in Großbritannien ansässige Konzern hat 540 Filialen in 24 Ländern, ist im Fitnessbereich Weltmarktführer. Er befindet sich in Privatbesitz.

100 Clubs in rund 50 Städten betreibt Fitness First in Deutschland. Mit 280.000 Mitgliedern ist er auch hierzulande Marktführer.

Rund 5.000 Beschäftige arbeiten in den 100 deutschen Filialen, ein Drittel davon in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

An zehn Standorten gibt es nach holprigen Anläufen mittlerweile Betriebsräte, die auch einen Gesamtbetriebsrat gebildet haben.

Massive Mitgliederwerbung betreibt derzeit die Gewerkschaft Ver.di, um die Tariffähigkeit für einen Vertrag herzustellen.

So habe sich das Unternehmen auch in Hamburg erstmal geweigert, dem Wahlvorstand die Mitarbeiterdaten aller sechs Filialen zu überlassen, berichtet Beyer. Die waren nötig, um daraus eine gemeinsamen Wählerliste zu ermitteln. "Die Kollegen haben die Wählerliste daraufhin auf eigene Faust aufgestellt."

Fitness First-Sprecher Wolfgang Klauke gibt sich verwundert über den Vorwurf der Wahlbehinderung: "Das ist nicht unser Stil", sagt er. "Wir unterstützen die Betriebsratswahlen." Es sei lediglich die Frage unklar gewesen, ob der Standort Hamburg als ein einziger Betrieb gesehen werden könne, so Klauke weiter, "oder ob nicht in allen sechs Clubs ein Betriebsrat gewählt werden muss".

Hendrik Beyer freut sich über die Aussicht eines Betriebsrats für Hamburg. "Als Gesamtbetriebsrat sind wir originär zwar auch für Filialen ohne Betriebsrat zuständig, können dies organisatorisch leider oftmals nur im begrenzten Umfang leisten", sagt er. Bald werde nun ein Ansprechpartner für die Belange vor Ort vorhanden sein.

Wegen der Verweigerungshaltung der Unternehmensleitung sei inzwischen Strafantrag wegen Behinderung der Betriebsratsarbeit gestellt worden, so Beyer weiter. "Das ist der dritte - nach Hannover und Berlin."

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