piwik no script img

Missstände im AtommülllagerSPD will Asse doch untersuchen

Missstände im Atommüllstollen werden doch untersucht: Nach Monaten des Zauderns wollen die Sozialdemokraten im niedersächsischen Landtag einem entsprechenden Ausschuss zustimmen.

In Niedersachsen wird nun wohl doch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Pannen und Schlampereien im Atommülllager Asse aufzuklären versuchen. Wie am Montag aus SPD-Kreisen zu erfahren war, will Landtagsfraktionchef Wolfgang Jüttner seinen Leuten am heutigen Dienstag empfehlen, der Einsetzung eines solchen Ausschusses zuzustimmen.

Grüne und Linke fordern seit Monaten vehement ein solches Gremium, vor das dann sowohl Spitzenpersonal des ehemaligen Betreibers Helmholtz Zentrum wie auch früherer Landes- und Bundesregierungen geladen werden könnten. "Nur mit einem solchen Ausschuss kann es gelingen, die offenbar mafiösen Strukturen, die sich über Jahre um die Asse gebildet haben, freizulegen", sagt Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Dagegen hatte die SPD-Fraktionsführung bislang die Auffassung vertreten, der Asse-Sumpf könne genauso gut durch den Umweltausschuss des Landtags trocken gelegt werden - auch wenn einige SPD-Abgeordneten anderer Meinung waren.

Mindestens 20 Landtagsabgeordnete müssen einem Untersuchungsausschuss zustimmen. Mit dem absehbaren Umschwenken der Sozialdemokraten ist jetzt der Weg dafür frei. CDU und FDP, die die Landesregierung stellen, könnten ihn nicht mehr verhindern.

Der Kurswechsel der SPD war vor zehn Tagen durch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eingeläutet worden: Er hatte sich in einem Zeitungsinterview für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen. Der sei erforderlich, wie die wöchentlich neu aufgedeckten Skandale um die Asse zeigten. Zuletzt war bekannt geworden, dass neben radioaktivem Müll auch chemische Abfälle und sogar Tierkadaver in dem Bergwerk entsorgt wurden. Zudem hatte auch die Bundeswehr erhebliche Teile ihres radioaktiven Schrotts in der Asse verklappt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare