Menschenhandel: Epsteins Arm nach Ostafrika
Sexualstraftäter Jeffrey Epstein reiste nach Afrika, stand in Kontakt mit ehemaligen Präsidenten – und besuchte Kenias Menschenhandel-Hotspot Malindi.
Kenia, Tansania, Uganda, Somalia, Senegal – in den rund drei Millionen Dokumenten, E-Mails, Videos und Fotos, den sogenannten Epstein-Akten, die vor zwei Wochen vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden, gibt es viele Bezüge nach Ostafrika.
Offenbar war der Sexualverbrecher Jeffrey Epstein mehrfach in Afrika unterwegs, kannte hochrangige afrikanische Persönlichkeiten wie Kenias Ex-Präsident Uhuru Kenyatta und Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma. Diesen stand er möglicherweise so nahe, dass er ihnen auch Frauen zuführte.
Als Zuma im März 2010 in London zu Gast war, schrieb Epstein an den britischen Labour-Politiker Peter Mandelson: „Mark Lloyd gibt morgen Abend im Ritz ein Abendessen für Zuma. Ich habe einige schöne russische Damen eingeladen, um teilzunehmen.“
Auf seinen Afrika-Safaris ließ es sich Epstein offenbar gutgehen. Er übernachtete in den teuersten Hotels und Luxus-Lodges in den Nationalparks. In den unzähligen E-Mail-Wechseln in Vorbereitung seiner Reisen nach Kenia und Tansania sind Reisebuchungen enthalten, in welchen Preise von mehr als 12.000 Dollar pro Person ausgewiesen sind.
Geschmacklose Witze über afrikanische Kinder
Im Jahr 2009 lud er die amerikanische PR-Beraterin und Publizistin Peggy Siegal sowie deren Kinder zu einer Reise in die kenianische Savanne ein, so geht es aus unzähligen E-Mails zwischen Siegal und Epstein hervor. „Wir landen am Morgen des 19. in Amsterdam und am späten Abend des 19. in Nairobi. Am Sonntagmorgen fliegen wir in die Wildnis der Masai Mara“, schrieb Siegal im Dezember 2009 an Epstein.
„Wir sind euch unendlich dankbar für diese weitere bereichernde Lebenserfahrung. Wenn uns die Massai-Krieger nicht fressen, dann tun es die Piraten aus Somalia …“, witzelt Siegal und schrieb dann Epstein in derselben Mail: „Kann dir ein kleines Baby mitbringen … oder zwei. Jungen oder Mädchen? So wie Madonna.“
Zu jener Zeit hatte die berühmte US-Sängerin Madonna gerade ihre ersten Kinder aus Malawi adoptiert und dort vor Ort das „Hilfswerk Raising Malawi“ gegründet, welches Waisenkinder unterstützt. 2011 wurde die Organisation geschlossen, nachdem bekannt geworden war, dass über drei Millionen Dollar ausgegeben wurden, ohne eine einzige Schule zu bauen.
Epstein reiste in Menschenhandel-Hotspot
Epsteins Afrika-Reisen führten ihn und die Leute aus seinem Zirkel an die kenianische Küste am Indischen Ozean. Ausgerechnet nach Malindi, in die anrüchige Kleinstadt entlang der weißen Sandstrände, die unter Kenianern als Treffpunkt von Mafia-Figuren aus Italien, Pädophilen und Menschenhändlern gilt. Zufall?
In den Mails gibt es keine eindeutigen Beweise für eine mögliche Straftat gegen Kinder oder Frauen in Kenia. Kenias Regierung hat erst im Jahr 2010 ein Gesetz verabschiedet, das Menschenhandel unter Strafe stellt. Im 2007 war nach vermehrten Medienberichten über sexuelle Ausbeutung von Kindern in Malindi durch westliche Luxustouristen die erste Untersuchungskommission eingerichtet worden.
Diese stellte fest, dass Malindi und der nahe gelegene internationale Flughafen in Mombasa ein Umschlagplatz für den Sexhandel mit Kindern ist. Einige junge Mädchen wurden aus den benachbarten Ländern Somalia, Äthiopien und Tansania via Mombasa nach Europa geschleust. Die Polizei ging daraufhin verstärkt gegen Menschenhändlerringe im Osten Kenias vor.
Ein weiterer Aspekt von Epsteins Afrika-Beziehungen war sein in den E-Mails mehrfach ausgedrücktes Interesse, in Afrikas Finanzsektor zu investieren. Dabei ging es um Bitcoin-Geschäfte in Kenia, dem damals frisch aufkommenden Markt für mobile Geldtransferoptionen via Handy in Afrika oder ein „Bankengeschäft“, das während eines Treffens mit Senegals Ex-Präsident Macky Sall in der Hauptstadt Dakar „diskutiert“ worden war.
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