Mauerbild „Hands“ wird konserviert: In professionellen Händen
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Konservierungsarbeiten am Mauerwandbild „Hands“. Es ist das letzte Original der East Side Gallery.
Foto: Marlene Gawrisch
Was für ein Auflauf. Die East Side Gallery an der Mühlenstraße kurz vor der Spree in Friedrichshain zieht immer noch viele Menschen an. Jährlich lockt sie laut Stiftung Berliner Mauer etwa vier Millionen Besucher:innen an. Auf einer Länge von gut 1,3 Kilometer erstreckt sich die wohl größte Open-Air-Galerie der Welt. Im Sommer 1990, nur ein paar Monate nach Mauerfall, gestalteten 118 Künstler:innen aus 21 Ländern die rund 1.000 Betonsegmente, die einst Ost- von Westberlin trennten.
Die Kunstwerke, auf porösen DDR-Beton gemalt und gesprayt, waren alles andere als von Dauer. Sie wurden im Laufe der Jahrzehnte bei Restaurierungen ganz oder teilweise neu ausgeführt. Keins der meist kunterbunten Wandbilder ist hier noch im Originalzustand. So gesehen, wird hier eine Mogelpackung besichtigt.
An diesem sonnigen Nachmittag Mitte Oktober bilden sich vor allem vor den bekannten Bildern Trauben von fotografierenden und posierenden, jungen wie alten Leuten aus aller Welt. Vor dem „Bruderkuss“ zum Beispiel. Das Bild von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel zeigt den zu sozialistischen Zeiten üblichen Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker. Der Künstler hatte das Wandbild von 1990 im Zuge der Sanierung im Jahr 2009 entfernt und neu geschaffen. In satten Farben präsentiert es sich in einem guten Zustand.
Das kann man vom Wandbild „Hands“ nicht behaupten. Dabei ist das eher kleine Kunstwerk der heimliche Star der East Side Gallery: Es handelt es sich um das letzte originale Zeitzeugnis der Bemalung von 1990, das erhalten geblieben ist und lediglich konservatorisch überarbeitet – also nie neu aufgemalt – wurde. Schade, dass das hier vor Ort scheinbar niemand weiß. Das Bild wird vor Ort von den Leuten übersehen. Es kann nicht konkurrieren mit dem Bild links daneben, noch so ein Hit der East Side Gallery: der Trabant, der die himmelblaue Mauer durchbricht.
Foto: © Stiftung Berliner Mauer
Überall lösen sich Teile der Farbschichten ab
Das Kunstwerk „Hands“ von Margaret Hunter und Peter Russell zeigt hochgestreckte Hände und ist in einem – es lässt sich nicht anders formulieren – erbärmlichen Zustand. Die Farbpigmente sind verblasst. Überall lösen sich kleine Teile der Farbschichten ab. Maßnahmen zur Sicherung des Wandbildes sind dringend notwendig.
Die gute Botschaft: „Die restauratorischen Arbeiten laufen bereits“, heißt es aus der Presseabteilung der Stiftung Berliner Mauer. „Im Moment geht es vor allem darum, lose Farbschollen zu fixieren und zu reinigen. Die Restauratoren arbeiten wetterabhängig, aber kontinuierlich. Es wird getan, was möglich ist, um das Bild möglichst lange zu erhalten“, zudem würde die bestmögliche Methode der Erhaltung geprüft.
Solche Arbeiten kosten eine Menge. Ein Segen, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Stiftung Berliner Mauer bei der Konservierung des Mauerbilds „Hands“ mit einer Spende von 13.300 Euro unterstützt. Die East Side Gallery gehört zu den mehr als 250 Denkmalen, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie „GlücksSpirale“ bisher allein in Berlin fördern konnte.
Die Fördersumme fließt auch in andere Arbeiten und wird bei der „Entwicklung von Leitlinien“ zur Sicherung von erhaltenen Resten der Berliner Mauer aus der ersten Ausbaustufe von 1961 eingesetzt. Solche Zeugnisse der frühen Grenzanlagen haben sich nur an wenigen Orten Berlins erhalten.
Die betroffenen Mauerteile sind derzeit für Besucher kaum als historische Relikte erkennbar. Und auch dazu laufen unweit des Wandgemäldes „Hands“ bereits restauratorische Arbeiten, insbesondere durch das Anlegen von sogenannten Musterflächen, an denen ein Restaurator Methoden zur Beseitigung von Graffiti und zum Schutz vor neuen Graffiti erproben und daraus Leitlinien ableiten wird. Mit dem Ziel, Reste dieser ersten Ausbaustufe der Mauer behutsam freilegen, dokumentieren, erhalten und dauerhaft bewahren zu können.
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