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Massiver Künstlerprotest erzwingt AbsageWiener Festwochen laden Tech-Milliardär Peter Thiel aus

Nach Protesten und Absagen von Künstlern laden die Wiener Festwochen den umstrittenen Vordenker der US-amerikanischen Rechten, Peter Thiel, kurzfristig aus.

Paypal-Gründer und Chef des Überwachungssoftwarekonzerns Palantir: Peter Thiel Foto: Matias Baglietto/reuters

Nach wachsendem Druck haben die Wiener Festwochen die für den 7. Juni geplante öffentliche Diskussion mit dem libertären Tech-Milliardär Peter Thiel kurzfristig abgesagt. Der Paypal-Gründer und Chef des Überwachungssoftwarekonzerns Palantir gilt als einer der einflussreichsten Vordenker der amerikanischen neuen Rechten. Zuletzt hatten Berichte über seine apokalyptische Weltsicht verstärkt seine religiös-ideologischen Positionen in den öffentlichen Fokus gerückt

Mehrere Festivalbeteiligte hatten ihre Auftritte aus Protest gegen Thiels Einladung zurückgezogen, darunter auch der Philosoph Geoffroy de Lagasnerie, der in einem viel geteilten Statement auf Instagram verlauten ließ, man könne „nicht den Faschismus fürchten und bekämpfen und über Widerstandsstrategien nachdenken, während man gleichzeitig einen seiner aktivsten Vertreter legitimiert oder ihn – schlimmer noch – als Intellektuellen präsentiert, dessen (groteske, absurde und gefährliche) Ideen wir in einem Konferenzraum gelassen diskutieren und anhören würden. Politik ist weder Spektakel noch Unterhaltung.“

Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hatte die Einladung öffentlich kritisiert und erklärt, die Kritik daran sei durchaus nachvollziehbar. Die Stadt Wien ist Hauptgeldgeberin des Festivals, dessen Intendanz Milo Rau 2023 übernommen hat und das seitdem stark an internationaler Relevanz gewann. In diesem Jahr lautet der Titel des Festivals „Republic of Gods“.

Man habe die Entscheidung der Ausladung zugunsten des Festivalprogramms getroffen, das durch die Künstlerabsagen in einem untragbaren Umfang geschwächt gewesen wäre, so eine Mitteilung des Festivals.

Thiel sollte mit Wolfgang Palaver diskutieren

Rau hatte Thiels Einladung in der Vergangenheit verteidigt und argumentiert, der Diskurs mit Thiel sei politisch notwendig. Wer sich dessen Ideologie und Einfluss nicht stelle, begehe ein kaum zu entschuldigendes Versäumnis, so Rau noch in einem Beitrag vom 27. Mai im Deutschlandfunk Kultur.

Ursprünglich als Veranstaltung vorgesehen war ein von Rau moderiertes Gespräch unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ zwischen Thiel und dem Innsbrucker Theologen Wolfgang Palaver. Die beiden kennen sich seit gemeinsamen Zeiten an der Stanford University Anfang der 1990er Jahre, wo Palaver als Forschungsgast war und stehen seitdem in regelmäßigem Austausch.

Verbunden sind sie bis heute unter anderem auch durch das gemeinsame Interesse am franko-amerikanischen Kulturtheoretiker René Girard und dessen Thesen zu Sündenbock, Antichrist und Apokalypse. Während Thiel Girards Ideen in sein rechtskonservatives Weltbild integriert, versteht Palaver seine Gesprächsbereitschaft als kritische Korrektur: Er forscht seit Jahrzehnten zur mimetischen Theorie Girards und sieht Thiels selektive Lektüre als korrekturbedürftig an. Palaver gilt trotz seiner Verbindung als Kritiker Thiels.

Bereits im vergangenen August hatte Thiel an einem Seminar an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck teilgenommen, bei dem er über Apokalypse und Antichrist sprach. Dort sei auch Martin Girard, der Sohn des Theoretikers, anwesend gewesen.

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