Maskenaffäre erreicht Göttingen: Parlamentarischer Inkassodienst

In der Maskenaffäre gerät der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler in den Blick. Geld gegen Gefälligkeiten habe er nicht genommen, sagt er.

Fritz Günzler am Mikrofonpult

Hat neben der Parlamentsarbeit noch viele Tätigkeiten: Fritz Güntzler Foto: Emily Wabitsch/dpa

HAMBURG taz | Kassiert habe er für seinen Nebenjob als Geldeintreiber nichts, verspricht der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler. Mit seinen „zurecht zurückgetretenen Kollegen“, Georg Nüßlein und Nikolas Löbel, die beim Milliardengeschäft mit Schutzmasken fett mitverdient hatten, habe er also nichts gemein.

Dass er selbst auch in der CDU-Maskenaffäre steckt, kann er aber reumütig doch ein bisschen verstehen: „In Zukunft werde ich persönlich noch etwas genauer hinsehen, wessen Unterlagen ich weiterleite“, sagt er.

Der Spiegel fand heraus, dass Güntzler Inkassoarbeit für einen recht windigen Unternehmer aus Berlin betrieben hatte. Dieser hatte dem Bundesgesundheitsministerium zu Beginn der Pandemie 400.000 Schutzmasken geliefert. Doch das Ministerium war von der Qualität der Masken nicht angetan – und zahlte vorerst nicht.

Güntzler wandte sich deshalb per Mail an Minister und Parteikollege Jens Spahn. Nichts Unübliches, findet Güntzler. Schließlich verstehe er es als eine seiner Hauptaufgaben als Abgeordneter, sich für die Bür­ge­r:in­nen, aber eben auch für Unternehmen einzusetzen.

Für wen er sich da einsetzte, habe er gar nicht so genau gewusst. „Den Hinweis auf den Fall hatte ich von einem befreundeten Steuerberater erhalten“, sagt Güntzler. „Ich hatte und habe keinen Kontakt oder geschäftliche Verbindungen zu dem besagten Unternehmen.“ Eine reine Gefälligkeit an einen Fremden also. Was nach christlicher Nächstenliebe klingt, dürfte aber nicht nur vielen ehrlichen Un­ter­neh­me­r:in­nen sauer aufstoßen.

Ein Zahlenmensch mit vielen Tätigkeiten

Güntzler liebt die Zahlen, besonders wenn hinter ihnen ein Währungszeichen steht. BWL hat er im Saarland und in Göttingen studiert, danach wurde er Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Aktuell sitzt er im Untersuchungsausschuss zur Wirecard-Pleite, um herauszufinden, wieso Bilanzfälschungen übersehen worden waren.

Wie er es aber neben dieser Vollzeitarbeit im Bundestag noch schafft, seinen restlichen Geschäften nachzugehen, nötigt gewissen Respekt ab: Satte 20 Einträge bei den veröffentlichungspflichtigen Angaben als Abgeordneter listet er auf. Für nicht alle Tätigkeiten erhält er Geld, aber gewiss scheint: Ein effizientes Zeitmanagement hat er.

Güntzler gilt als vergleichsweise liberaler CDUler. Angefangen als Abgeordneter im Göttinger Stadtrat, ging es über den Landtag 2013 nach Berlin. Ein Direktmandat konnte er bislang nie gewinnen – da haben die So­zi­al­de­mo­kra­t:in­nen in der Unistadt ein Abo drauf.

Wenn es stimmt, dass er für seine Gefälligkeit keine Gegenleistung erhalten hat, kann er den Freitag entspannt angehen: Bis 18 Uhr muss Güntzler – wie der Rest seiner Frak­ti­ons­kol­le­g:in­nen – eine Ehrenerklärung abgeben, dass er keinerlei finanziellen Vorteile aus der Pandemie gezogen hat.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben