: Marokko schmeißt die Europäer raus
■ Fischereiabkommen mit der EU wird nicht verlängert
Madrid (taz) – Die 280 Unternehmer aus dem europäischen Fischereiwesen waren letzten Sonntag kaum in Rabat angekommen, wo sie bis gestern an einem europäisch-marokkanischen Fischereitreffen teilnahmen, da schlug ihnen schon die Nachricht vom Titelblatt der Tageszeitung Le Matin entgegen: „Marokko wird das Fischereiabkommen mit der EU nicht verlängern.“
In einem Interview erklärte der zuständige Minister Mustafa Sahel seine Pläne für den Sektor: Die 525 EU-Lizenzen, die zum Jahr 2000 auslaufen, werden nicht verlängert. Ab dann gibt es nur noch Fanggenehmigungen für einheimische Boote. Die Weiterverarbeitung soll ebenfalls im Land bleiben. Um dies zu verwirklichen, soll in den nächsten Jahren über eine Milliarde Mark in den Fischereisektor investiert werden.
Durch den Abzug der Europäer soll sich der Export von Fischereiprodukten von bisher 900 Millionen Dollar verdoppeln. Über 200.000 neue Arbeitsplätze sollen zu den bereits bestehenden 400.000 in Fang und Weiterverarbeitung kommen. Das Kapital für diese Pläne stammt paradoxerweise zum Großteil aus den Töpfen der EU. 350 Millionen Ecu bezahlte Brüssel Anfang 1996 für einen vierjährigen Fischereivertrag vor der 3.500 Kilometer langen marokkanischen Küste. Jetzt dient das Geld dazu, die 12.000 Mann Besatzung, weit über die Hälfte davon Spanier, nach Hause zu schicken. Mit Marokko wird die EU die wichtigsten Fanggründe in einem Drittland verlieren.
Mustafa Sahel will allerdings auch nach dem Jahr 2000 nicht vollständig auf seine bisherigen europäischen Partner verzichten. So bot er den nach Rabat gereisten Unternehmern „neue Formen der Zusammenarbeit überall da“; wo es „nicht um den Fischfang als solchen geht“. Auch im Fischfang und der weiterverarbeitenden Industrie könnten Teile des nötigen Kapitals und Spitzentechnologie aus Europa kommen. Reiner Wandler
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen