Mara-Fluss in Ostafrika: Auf dem Trockenen

Das Mara-Flussbecken in Kenia und Tansania trocknet immer häufiger aus. Vor allem die Frauen der Maasai sollen nun Wasserschützerinnen werden.

Brücke über dem ausgetrockneten Mara-Flussbett.

Der Fluss beginnt in Kenia und mündet in Tansania in den Victoria-See Foto: Karim Kara

NAROK taz | Der Name des Mara-Flusses ist nur wenigen bekannt, aber gesehen haben ihn schon viele. Er liegt für anderthalb Millionen Gnus auf dem Weg bei der Suche nach Wasser und Futter auf ihrer saisonalen Wanderung zwischen den Nationalparks Serengeti in Tansania und Maasai Mara in Kenia. Das Mara-Flussbecken ist außerdem wichtig für etwa eine Million Bauern und Hirten, die von dem Wasser des Flusses und seinen Nebenflüssen abhängig sind.

„Eine zu große Belastung für das Flussbecken“ nennt das Risa Kosen, ein Maasai-Umweltschutzaktivist im Städtchen Narok, durch das der Enkare-Narok-Fluss fließt, ein Zubringer des Mara. Bei der Brücke über den Fluss ist zu sehen, wie Abfall drin schwimmt und illegal Wasser abgepumpt wird.

Das Problem mit dem Mara beginnt bei seinen Quellen im Mau-Wald, auf 3.000 Meter Höhe eines der wichtigsten Wasserquellgebiete in Kenia. Im Wald existieren illegale Siedlungen, wo Bauern mittlerweile riesige Stücke Wald abgeholzt haben. Diese Siedler werden zwar oft mit harter Hand entfernt, kehren aber meistens schnell wieder zurück. „Mit immer weniger Wald bekommt das Mau-Hochland auch immer weniger Regen, und besonders in Dürrezeiten trocknen die Flüsse stromabwärts beinahe oder völlig aus“, sagt Kosen.

Als Kenia 1963 unabhängig wurde, war der Mara noch ein beständiger Fluss, der das ganze Jahr Wasser führte. In den letzten Jahren wurde das Wasser immer weniger. 2019 war der Mara einige Zeit vollkommen ausgetrocknet – nur um Anfang 2020 über die Ufer zu treten, während einer außergewöhnlich heftigen Regenzeit.

Chemie und Kot im Flusswasser

Ein weiteres Problem ist die Wasserverschmutzung. „Viele Menschen, die im Einzugsgebiet des Flusses leben, haben kein fließendes Wasser aus dem Hahn“, sagt Kosen und seufzt. „Sie sind angewiesen auf das Wasser im Mara oder den Nebenflüssen, um sich selbst zu waschen oder ihre Kleider, wofür sie chemische Waschmittel benutzen. Menschen und Tiere hinterlassen ihren Kot am Uferrand. Bauern benutzen chemische Insektenvernichtungsmittel, die bei Regen ins Wasser fließen. Einige Hotels in den Nationalparks leiten ihre Abwässer in die Flüsse.“

Der Zugang zu sauberem Wasser ist auf der Welt höchst ungleich verteilt. Ein Rechercheprojekt auf verschiedenen Kontinenten über Trinkwasser, Dürre, Überschwemmungen und Geldströme in der Entwicklungszusammenarbeit unter taz.de/Wasser

Risa Kosen studierte Wirtschaftswissenschaften. Der 39-Jährige konzentrierte sich vor zehn Jahren auf Umweltthemen, als er während einer Dürre im Kral seines Vaters sah, wie die Kühe nacheinander an Hunger und Durst starben. Dürrezeiten gibt es in Kenia immer häufiger und sie halten auch länger an als früher. Seitdem setzt er sich für den Schutz des Mara-Flussbeckens ein.

Kosen streitet sich oft darüber mit anderen Maasai. Er findet, sie haben zu viele Tiere. Der Reichtum eines Maasai wird gemessen an der Größe seiner Viehherden, es gibt sogar Herden von 2.000 Tieren. „Wahnsinn in dieser Zeit“, findet der Aktivist. „Es gibt zu wenig Wasser und Gras und dazu tragen solche Herden bei.“ Nach offiziellen Angaben gibt es in Kenia über 18 Millionen Rinder, ebenso viele Schafe, sowie 28 Millionen Ziegen.

Karte der Grenzregion Kenia und Tansania.

Der Mara-Flusslauf ist 395 Kilometer lang. Er beginnt in Kenia und überquert schließlich bei den Nationalparks die Grenze zu Tansania, wo er in den Victoriasee fließt. „Der Fluss wird hier in Kenia immer dreckiger und zu viel genutzt und fließt dann weiter zu unseren Brüdern, den Maasai in Tansania. Das Wasser verbindet uns, aber in diesem Fall auf negative Weise“, meint Kosen. Er findet das die Regierungen beider Länder im Flussmanagement zusammenarbeiten sollten.

„Gemeinsam Lösungen finden“

Für einen grenzüberschreitenden Wasserzuteilungsplan und einen Wasservertrag sammeln Wissenschaftler seit 2015 Daten über den Mara-Fluss. Mit 6 Millionen Euro unterstützt Deutschlands Bundesumweltministerium dieses Projekt, das die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchführt und das bis März 2021 läuft.

Der Mara-Flussbecken geht aber nicht nur Kenia und Tansania etwas an, denn als Zubringer des Victoriasees hängt er auch mit dem Nil zusammen. „Wir sind ökologisch mit einer ganzen Reihe von Ländern verbunden. Wir müssen nicht nur an uns selbst denken, sondern weltweit und gemeinsam Lösungen finden, wie wir mit Wasser umgehen“, sagt Nelson ole Reiyia (46), Initiator des Nashulai-Naturschutzgebiets im Mara-Flussbecken.

Eine Rinderherde durchquert das fast ausgetrocknete Flussbett des Sekenani-Flusses.

Die Maasai leben von der Viehzucht – Mensch und Tier sind vom Wasser abhängig Foto: Karim Kara

In Nashulai leben Hirten mit ihrem Vieh und wilden Tieren nebeneinander. Es ist das erste Naturschutzgebiet, das von der örtlichen Maasai-Gemeinschaft verwaltet wird. „Wir sind hier nur ein kleiner Teil des Flussbeckens, aber die Gesundheit unseres Ökosystems ist eng verbunden mit dem Rest der Welt.“

Reiyia organisiert Unterricht für Maasai über Umwelt und vor allem über Wasser. „Dabei behalten wir die Maasai-Kultur im Auge. Frauen sind die traditionellen Wasserholer. Wir klären sie auf, so dass sie auch zu Wasserschützern werden.“

An den Ufern der kleinen Flüsse, die durch Nashulai fließen, ist viel Vegetation verschwunden – die Menschen sind arm und brauchen Feuerholz. Reiyia hat die örtliche Jugend eingesetzt, um einheimische Bäume zu pflanzen. Er erklärt: „Wasserschutz und Naturschutz – das hat alles mit Menschen zu tun. Wir müssen nicht nur ein Problem lösen, sondern ein Netzwerk von Herausforderungen.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben