taz-Männer machen mobil: Frauentag, ach Menno! Jetzt wird zurückgestreikt
Internationaler Frauentag, feministaz und taz-FLINTA*-Streik machen Männer mobil. Es gilt, die fatalen Prozesse aufzuhalten.
E s hat ein bisschen gedauert, sie sind halt etwas langsam. Aber knapp eine Woche nach dem Internationalen Frauentag, der feministaz und dem taz-FLINTA*-Streik scheinen auch die Cis-Männer in der taz allmählich zu begreifen, was die Stunde geschlagen hat.
„Wir können uns da nicht mehr einfach heraushalten und die Flintas alleine kämpfen lassen. Es wird Zeit, dass wir endlich auch was tun, um die Missstände zu beheben“, hört man Redakteure flüstern, die schlechten Gewissens auf den Raucherbalkonen herumschleichen, während die vom Streik zurückgekehrten Kolleg*innen längst wieder arbeiten und die nächste Zeitung produzieren.
„Stimmt, so wie bisher kann es wirklich nicht weitergehen“, jault ein Cis-Kollege, dem die Sache spürbar nahegeht. „Jeden zweiten Tag eine Sonderausgabe für FLINTA*, also für alle außer uns, das ist doch himmelschreiend ungerecht, wo ist da die Balance?“ „Hier jedenfalls nicht“, jammert ein Höhenängstlicher auf dem Balkon. „Spätestens ab dem vierten Stock wird’s mit dem Gleichgewicht kritisch.“
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
In der Tat lässt sich nicht bestreiten, dass viele Ressortleitungen, die halbe Geschäftsführung und alle drei Sessel in der Chefinnenredaktion weiblich besetzt sind. „Das geht doch nicht“, flucht einer der unterdrückten Männer. „Frauen an der Macht, so was gibt’s sonst nur bei Rechtsextremen, die Weidel, Meloni und Le Pen als Chefinnen haben.“ In allen ordentlichen linken Organisationen hingegen würden traditionell Frauenrechte hochgehalten und Männer aufgestellt.
Schaut auf die SPD
Dass ausgerechnet die taz dieses eherne linke Gesetz missachte, sei „ein Skandal und ein historischer Fehler, der uns in den Abgrund führt“. Wie man es als Linke richtig macht, zeige zum Beispiel die SPD, die noch nie eine Frau an die Macht gebracht und mit dieser genialen Strategie nachweislich viel Erfolg hat. „Das hat man doch bei allen Wahlen in den letzten Jahren gesehen!“
Noch bessere Vorbilder seien nur die USA, Russland, Israel und Iran. Die legten schließlich gerade ganz ohne Frauen, geschweige denn FLINTA*, die Welt höchst erfolgreich in Schutt und Asche. „Genau! Daran sollten wir uns orientieren“, ruft ein bisher passiv leidender taz-Cis-Mann. „Wir müssen uns organisieren und zurückstreiken!“ Nur einen Namen braucht die Männerbewegung noch. Im Gespräch ist MENNO*.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert