Lösungen in Altona: Eltern suchen Gespräch

Nach den Zusammenstößen von Jugendlichen und Polizei treffen sich Eltern und Beamte zum Gespräch. Die Polizei räumt inzwischen Fehler ein.

Trafen sich am Sonntag, um über die Vorfälle zu sprechen: Anwohner im August-Lüttgens-Park in Altona. Bild: Lena Kaiser

HAMBURG taz | Am Montag haben sich drei Vertreter der Altonaer Nachbarschaft, in der es in den vergangenen Tagen zu Auseinandersetzung zwischen Anwohnern und Polizei gekommen war, mit Polizisten zum Gespräch getroffen. Polizeisprecherin Ulrike Sweden bezeichnete es anschließend als „konstruktiv“. Auch Hüsein Göktas, einer der Elternvertreter, sagte, er habe das Gespräch als „ganz gut“ empfunden.

Sweden zufolge hat die Polizei in den vergangenen Nächten festgestellt, dass es „auch durch die Medienberichterstattung leider sehr viele Trittbrettfahrer in das Viertel“ ziehe. Am Freitag war nach massiven Steinwürfen ein Jugendlicher festgenommen worden. Nach Polizeiangaben handelte es sich dabei weder um einen Anwohner noch um einen Jungen mit Migrationshintergrund.

Am Donnerstagabend hatten Polizisten in der Holstenstraße 16 Jugendliche festgenommen und zum Teil verletzt. In den darauf folgenden zwei Nächten hatten sich vor Ort rund 100 Menschen versammelt, etwa genauso viele Polizisten waren im Einsatz. Während am Freitag Autos brannten, endete die Samstagnacht friedlich.

Eine Parole der Jugendlichen sei gewesen: "Der nächste Bulle, der das Stolperviertel betrifft, ist ein toter Bulle", zitiert die Hamburger Morgenpost Polizeibeamte. Wer diese "mit dem Tode bedroht, stellt sich selbst an den Rand der Gesellschaft", schrieb die Polizeigewerkschaft.

Googelt man das Wort, sind nur Einträge der letzten vier Tage zu finden. Der Vorsitzende des Vereins für Hamburgische Geschichte, Rainer Nicolaysen, kennt den Begriff nicht.

Am vergangenen Freitag schrieb die Hamburger Polizei in zwei Pressemitteilungen vom "sogenannten Stolperviertel". Polizeisprecher Holger Vehren erklärte, "das Wort kommt von den Anwohnern aus dem Viertel".

200 Nachbarn schreiben in einer Erklärung, sie hätten den Begriff noch nie gehört.

Elternvertreter Hüsein Göktas zog nach dem Gespräch das Fazit, dass weniger die Polizei als vielmehr die Politik etwas verändern müsse. Von der Polizei wünsche er sich aber einen besseren Kontakt zu den Anwohnern und einen Ansprechpartner. Dass der Einsatz von Pfefferspray und Knüppel gegen die Kinder und Jugendlichen nicht angemessen gewesen sei, habe die Polizei eingeräumt. Polizeisprecherin Sweden sagte, mittlerweile lägen Anzeigen „im einstelligen Bereich“ gegen Polizeibeamte vor. Es seien interne Ermittlungen eingeleitet worden.

Unklar ist noch immer, wie es zu den Ausschreitungen gekommen ist. Die Polizei hatte erklärt, dass sich Autofahrer darüber beschwert hätten, dass sie von Jugendlichen mit Laserpointern geblendet worden seien. Doch die Jugendlichen, die am Donnerstag vor Ort waren, bestreiten das. Der Leiter des zuständigen Polizeireviers, Gerd Malachowski, sagte den Anwohnern Freitagnacht, zwei als Beweismittel sichergestellte Laserpointer seien „weg gekommen“.

Anwohner hatten dagegen in einer gemeinsamen Erklärung kritisiert, dass es seit rund einer Woche „verstärkt zu verdachtsunabhängigen Kontrollen von Jugendlichen gekommen“ sei. Auch Minderjährige seien mehrmals täglich kontrolliert worden. Im Gespräch hätten die Beamten diese Häufung mit dem „Schichtwechsel“ der Polizisten erklärt, sagte Göktas.

Am Sonntag hatten sich rund 200 Nachbarn im August-Lüttgens Park getroffen, um über die Vorfälle zu sprechen. Am Montag beriet man sich im Bezirksamt über die Jugendarbeit im Viertel. „Wir haben das Problem auf bezirklicher Ebene erkannt“, sagte der SPD-Bezirksabgeordnete Mark Classen. Am heutigen Dienstag soll es ein Treffen mit der türkischen Gemeinde geben.

Bürgerschaftsabgeordnete von Grünen und Linken haben mittlerweile mehrere kleine Anfragen an den Senat gestellt, um die Ereignisse in Altona aufzuklären. Aus der Innenbehörde heißt es, man verstünde „die Sache auch noch nicht“. Über besonders gewalttätige Jugendbanden im Viertel hätten zuvor keine Erkenntnisse vorgelegen.

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