: Liebe Lilli Segal,
es gibt bis heute nichts, was einen überzeugen müßte, daß Gregor Gysi aktiv im Stasi-Einsatz war. Die Betonung liegt auf „müßte“. Daß Informationen aus seinem Büro in das der Stasi gelangten, wird auch von Gysi nicht bestritten. Wo das Leck in der Kanzlei war, wissen wir nicht.
Einige der Bürgerrechtler, die er gegen den SED-Staat vertreten hat, fühlen sich von ihm verraten. Die Wahrheit wissen nur sie und Gysi. Wenn sie sie denn wissen. Uns bleibt nichts, als die Auseinandersetzung zu dokumentieren. Dein Brief hilft uns dabei. Dämonisierungen der einen oder der anderen Seite helfen nicht weiter. Bei der ganzen Angelegenheit gewinnt man freilich den Eindruck, auf der falschen Hochzeit zu sein. Alles scheint die IMs zu jagen; was ist mit der Stasi selbst? Wer kümmert sich um die? Oder gar um die Parteiführung? Interessiert sich niemand für deren Untaten?
Mit freundlichen Grüßen Arno Widmann
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen