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Lenis ungebändigte Lust

betr.: „Triumph des Unwillens“, taz vom 22. 8. 02

Ob Nazi oder Mitläuferin – Leni Riefenstahl hat das fotografische Bild der Hitlerzeit entscheidend geprägt. Was bei der Betrachtung ihrer Bildsprache meist aber außer Acht gelassen wird, ist die geradezu atemberaubende Erotik vieler ihrer Arbeiten, die ungebändigte Lust am männlichen Körper, die ihre Bilder zeigen. Dies betrifft nicht nur die Olympiafilme, sondern zeigt sich auch in ihren späteren Fotografien.

Leider wurde dies jedoch nie – auch nicht von Frauen – als Ausdruck weiblicher Sexualität gesehen. Ihre Bilder wurden vielmehr nachträglich als Ausdruck der latenten Homosexualität der Nazis interpretiert. Eine Frau soll also selbstlos die unterdrückte Sexualität von Millionen Nationalsozialisten visualisiert haben. Dies wirft ein erschreckendes Bild auf einen chauvinistischen politisch-ästhetischen Diskurs, der bis in die Gegenwart reicht.

R.H., Berlin

Leni Riefenstahl ist nicht eindeutig zu verurteilen, sie ist widersprüchlich – weil sie einem auch Respekt abnötigt für das, wie sie geleistet hat, auch nach dem Krieg und noch im Alter. Die Form, in der Sie sich mit ihr auseinander setzen, Herr Seeßlen, wurzelt zu Teilen noch in dem alten Schwarzweiß-Denken und hat den Ruch der Frauenfeindlichkeit, was ja wieder opportun ist! Riefenstahl jedenfalls kann nicht die Schuld dafür gegeben werden, dass diese Republik sich von Anfang an zu wenig mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt hat, so wie es auch schon nach dem Ersten Weltkrieg daran mangelte, sonst hätte es eine Riefenstahl so nicht gegeben – vielleicht aber hätte sie mehr Möglichkeit gehabt zu differenzierterer Ästhetik. HILDEGARD BEHRENDT, Berlin

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