serie: Leben zwischen Dramen
Sie trinken Matcha Latte, haben Streit auf Tiktok und gern Sex. „I Love LA“ ist Gen Z pur
Maia ist kurz vor dem Orgasmus, als das Bett beginnt zu wackeln. Das Wackeln wird stärker, ein Bilderrahmen fällt vom Nachtschrank und zerspringt. Ihr Freund will abbrechen, denn das Wackeln ist ein Erdbeben. Vielleicht das eine große, das alles zerstören wird, fürchtet er. Doch Maia beharrt auf ihren Höhepunkt. Die 27-Jährige weiß, was sie will und dafür ist sie bereit, einiges in Kauf zu nehmen. Und das nicht nur in ihrem Sexleben.
Um sich bei ihrer Agenturchefin einzuschleimen, zwingt sie ihren Freund zu einem unangenehmen Doppel-Date, um ihn dort unter den Bus zu werfen. Sie beginnt ihre Frenemie – die sie gerade noch bei Instagram blockiert hatte – als Influencerin zu managen, um endlich eine Klientin zu haben. Wer es in Los Angeles zu etwas bringen will, muss eben hustlen.
Das Konzept von „I Love LA“ ist wahrlich kein Neues: Eine junge Frau, die es in der großen Stadt (wahlweise New York oder LA) zu etwas bringen will und versuchen muss, ihr anstrengendes Job-, Liebes- und Freundesleben unter einen Hut zu bringen. „Sex and The City“, „Insecure“ oder „Girls“ haben vorgemacht, wie es geht.
Die neue Serie von und mit Comedian Rachel Sennott als Maia (genial in „Shiva Baby“) schafft es dabei besonders gut, den Zeitgeist und die Lebensrealität der Generation Z einzufangen. Die Figuren – von der Chefin über die Influencer-Freundin bis zum schwulen Stylisten-Freund – sind zwar gnadenlos überzeichnet und nerven fürchterlich, aber sie werden von der Serie ernst genommen. Und so fiebert man dann doch mit ihnen mit, ob sie ihren Iced Matcha Latte bekommen, den Shitstorm bei Tiktok überstehen oder den Job mit dem christlichen Influencer landen. Die größte Überraschung aus dem Leben der jungen Leute ist in jedem Fall: Es werden wieder Filterzigaretten geraucht – selbst in der Antiraucherhochburg Los Angeles!
Carolina Schwarz
„I Love LA“, 8 Episoden, HBOMax
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