Landrat von Ahrweiler tritt ab: Laue Distanzierung

Die Menschen im Kreis Ahrweiler haben das Vertrauen in Jürgen Pföhler (CDU) verloren. Das wirkt sich auf das Ansehen seiner Partei aus.

Altstadtgasse von Ahrweiler mit Müll und Matsch, eine Frau schiebt ihr Frahrrad

Anwohner versuchen in der Innenstadt von Ahrweiler aufzuräumen, 17. Juli Foto: Thomas Frey/dpa

Quälend lange vier Wochen brauchte die CDU im von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Kreis Ahrweiler für die Erkenntnis, dass „ihr“ Landrat und Parteifreund Jürgen Pföhler nicht länger im Amt tragbar ist. Er stand einem Krisenstab vor, der den Menschen noch zur Flucht auf den Dachboden riet, während die ersten Häuser von der Flutwelle weggerissen wurden. Warnungen des zuständigen Landesamts waren nicht ernst genommen worden. Der Katastrophenalarm wurde viel zu spät ausgerufen, als die Flut bereits Einrichtungen der Notfallkommunikation weggespült hatte.

Ob sich der Landrat als Chef des Katastrophenschutzes oder seine MitarbeiterInnen dabei strafbar gemacht haben, werden die staatsanwaltlichen Ermittlungen ergeben. Doch seit Wochen ist klar: Dieser Landrat ist der falsche Mann an der Spitze des Landkreises, soll der Neuanfang nach der Katastrophe gelingen. „Das Vertrauen der Menschen im Kreis Ahrweiler ist nicht mehr gegeben“, formulieren seine Parteifreunde scheinbar klar. Mit missverständlichen Sätzen erwecken sie gleichzeitig den Anschein, der Landrat sei nicht mehr im Amt. Doch „der Schritt, sein Amt nicht mehr wahrzunehmen“, entpuppt sich als schlichte Krankmeldung.

Mit Rücksicht auf einen verdienten Parteikollegen vermeidet die CDU die Forderung nach einem Rücktritt, der Pensionsansprüche gefährden könnte. Was als mutige Distanzierung von einem gescheiterten Landrat daherkommt, ist eine späte und laue Absetzbewegung von einem Politiker, der im Bundestagswahlkampf Stimmen kosten könnte.

Am Mittwoch, bei der Kreistagssitzung, hätte die CDU ohnehin handeln müssen, weil die Opposition im Kommunalparlament mit Abwahlanträgen Druck macht. Die Kehrtwende der Partei, die im Kreis Ahrweiler das Sagen hat, kommt spät und halbherzig. So kann man verlorenes Vertrauen kaum zurückgewinnen. Jetzt droht eine Hängepartie, bei der das Ansehen staatlicher Institutionen leidet.

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1970 Abitur in Bad Kreuznach, Studium in Mainz und Frankfurt am Main. 1971-74 Hörfunkreporter beim SWF in Mainz, 1980 Diplom in Soziologie, danach Wiss. Mitarbeiter Uni Frankfurt,1982 bis 86 Moderator, Reporter und CvD SWF 3, danach Redakteur und Moderator bei hr 1, 1989 bis 91 Programmdirektor Radio ffn, danach Landtagskorrespondent in Wiesbaden für den HR-Hörfunk, die ARD und den Berliner Tagesspiegel, seit 2015 taz-Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland

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