piwik no script img

Landespolitiker Wolfgang GedeonAntisemit bleibt AfD-Mitglied

Ein Schiedsgericht lehnt den Ausschluss von Wolfgang Gedeon aus der AfD ab. Das ist eine Schlappe für die Bundesspitze der Partei.

Sabine am Orde

Aus Berlin

Sabine am Orde

Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon, der sich in zahlreichen Publikationen umfassend antisemitisch geäußert hat, bleibt Mitglied der AfD. Das Landesschiedsgericht Schleswig-Holstein hat einen Antrag auf Parteiauschluss Gedeons abgelehnt. Das bestätigte AfD-Parteisprecher Bastian Behrens der taz. Den Antrag, Gedeon auszuschließen, hatte der Bundesvorstand gestellt. In der Begründung des Landesschiedsgerichts heißt es, der Antrag sei „zum Teil unzulässig“ und „zum Teil unbegründet“.

Gedeon hat sich in mehreren Büchern und anderen Veröffentlichungen antisemitisch geäußert. Unter anderem hat er sich dabei auf die antisemitische Propagandaschrift die „Protokolle der Weisen von Zion“ bezogen und geschichtsrevisionistische Neonazis wie Horst Mahler, Ernst Zündel und David Irving als „Dissidenten“ bezeichnet. Zuletzt hatte Gedeon die Gründung der AfD-internen Vereinigung „Juden in der AfD“ einen Fehler genannt. Im „ungünstigsten Fall“ handele es sich “um eine zionistische Lobbyorganisation, die den Interessen Deutschlands und der Deutschen zuwiderläuft“.

Es ist nicht der erste gescheiterte Versuch, Gedeon aus der AfD auszuschließen. Im Zuge des neuen Verfahrens hatte sich das Landesschiedsgericht in Baden-Württemberg als befangen erklärt, weshalb die Entscheidung nun in Schleswig-Holstein fiel. Der Bundesvorstand kann jetzt vor das Bundesschiedsgericht ziehen und viel spricht dafür, dass er das auch tun wird.

„Der innerparteiliche Instanzenweg ist mit diesem Urteil noch nicht ausgeschöpft“, ließ Parteichef Jörg Meuthen auf Anfrage der taz mitteilen. „Der Bundesvorstand wird am kommenden Montag über das weitere Vorgehen beraten.“ Auch im Fall von Doris Sayn-Wittgenstein habe das Landesschiedsgericht Schleswig-Holstein ja zunächst einen Parteiausschluss abgelehnt. Dieses Urteil sei jedoch vom Bundesschiedsgericht revidiert worden.

Der Streit um Gedeon hatte 2016 zur vorübergehenden Spaltung der Landtagsfraktion in Baden-Württemberg geführt. Gedeon gehört dem Landtag als fraktionsloser Abgeordneter an. Vor einigen Wochen hatte sich eine knappe Mehrheit der AfD-Fraktion für eine Rückkehr Gedeons in die eigenen Reihen ausgesprochen, die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit aber war nicht erreicht worden.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

2 Kommentare

 / 
  • Manch braune Sch... geht nur schwer wieder runter...

  • 4G
    4813 (Profil gelöscht)

    Da ist er doch auch richtig.