: Kumpel starten Marsch
■ Rumänische Regierung bleibt gegenüber den streikenden Bergarbeitern weiter hart
Bukarest (taz) – Der seit zwei Wochen andauernde Streik der Bergarbeiter im westrumänischen Schiltal hat sich gestern zugespitzt. Rund zehntausend Grubenarbeiter brachen aus der Stadt Petrosani zu Fuß in Richtung Bukarest auf. Die Regierung sperrte das gesamte Schiltal für den Straßen- und Eisenbahnverkehr, entsandte Tausende Polizisten in die Region und riegelte sie mit Straßensperren ab. Zunächst überwanden die Bergarbeiter mehrere Blockaden, an denen keine Sicherheitskräfte plaziert waren.
Am Nachmittag setzte die Polizei nach Rundfunkberichten aus Hubschraubern Tränengas gegen die Marschierenden ein. Gleichzeitig erklärte sich Premier Radu Vasile erstmals bereit, an Verhandlungen mit den Streikenden teilzunehmen, wenn der Marsch abgebrochen würde. Noch am Morgen hatte die Regierung ein Ultimatum der Bergarbeiter verstreichen lassen, ihnen 35prozentige Lohnerhöhungen zu gewähren und die Schließung von zwei Zechen rückgängig zu machen. Sie hatte den Kumpeln angeboten, die Schulden des Nationalen Steinkohleunternehmens zu streichen, wenn sie den Streik beenden und binnen Jahresfrist Kohle ohne weitere Subventionen fördern würden.
Innenminister Gavril Dejeu erklärte, die Regierung werde unter allen Umständen verhindern, daß die Bergarbeiter die Hauptstadt stürmen. Der Marsch der Grubenarbeiter sei keine lokale Angelegenheit, sondern ein nationales Problem und gefährde überdies Rumäniens Ansehen im Ausland. Transportminister Traian Basescu entschuldigte sich bei allen betroffenen Bürgern für die Abriegelung des Schiltals. Keno Verseck
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