Kultur in Berlin: Linke Läden legen wieder los

Szenekneipen in Berlin haben sich in der Pandemie verändert: Küfa to go gehört zum Standard und Quizabende werden digital.

Blick durch ein Fenster in eine geschlossene Kneipe im Schillerkiez, in der ein Besen an der Bar lehnt. Hinter dem Tresen steht ein Regal, indem viele volle Alkoholflaschen stehen.

Dieser Blick sollte bald der Vergangenheit angehören Foto: Britta Pedersen/dpa

BERLIN taz | „Wir wollen wieder Sachen machen im Bandit* (aka Bandita Rossa/Bandito Rosso)! Und zwar mit euch! Und zwar ein Online-Quiz!“ Mit diesen Sätzen meldet sich das linke Zentrum in der Lottumstraße nach mehr als 14 Monaten Coronapause zurück. Am 18. Januar vergangenen Jahres hatten die BetreiberInnen des Bandito noch unter dem Motto „30 Jahre selbstbestimmt – selbstbesetzt“ eine große Jubiläumsparty gefeiert. Kurz darauf war es pandemiebedingt geschlossen. Bis heute.

Am heutigen Freitag geht das Bandito erstmals online mit dem beliebten Quiz, das in Vorpandemiezeiten immer für volle Räume sorgte. Ob das Ratespiel auch im digitalen Format auf Resonanz stößt, wird sich zeigen. Los geht es um 20 Uhr.

Für die BetreiberInnen der linken Lokalität ist die Veranstaltung auch ein Experiment. Schließlich haben sich viele der am Kollektiv Beteiligten in den letzten Monaten kaum getroffen. Da müssen Kontakte wiederhergestellt werden. Auch neue BesucherInnen hatten in der Coronapause keine Möglichkeit, das Bandito überhaupt kennenzulernen.

Und schließlich sind es auch finanzielle Gründe, die die BetreiberInnen der Lokalität motivieren, an die vorerst digitale Öffentlichkeit zu gehen. „Neben der sozialen Komponente hat das Ganze natürlich den Hintergrund, dass der Laden inzwischen seit über einem Jahr zu ist und langsam auf Unterstützung angewiesen ist, wir freuen uns also über Spenden“, erklärte eine der Bandito-BetreiberInnen.

Die Probleme, die die Bandito-BetreiberInnen beschreiben, teilen viele der unabhängigen linken Zentren. Die Kiezkneipe BAIZ in Prenzlauer Berg ist schon früh mit einen eigene Videokanal online gegangen.

Die ins Netz gestellten Veranstaltungen wurden von bis zu 100 Interessierten besucht. „Aufgrund der positiven Reaktionen werden wir das Projekt BAIZ-Online wohl auch in die coronafreie Zeit überführen, weil sich dadurch die Inhalte des Ladens effektiver transportieren lassen“, sagte Matthias Bogisch vom BAIZ-Kollektiv der taz.

Viele linke Zentren haben sich in den letzten Monaten auf die Küfa (Küche für alle) to go spezialisiert. So wird vor dem linken Stadtteilzentrum Zielona Gora jeden Sonntag von 18 bis 20 Uhr Essen ausgegeben. Auf der Seite Fressfaktor können sich Interessierte informieren, in welchen linken Zentren wann Essenszeiten sind. Das sind für viele Menschen auch Orte der Kommunikation und des Austauschs, der auch coronagerecht möglich ist.

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