: Kubaner vermissen olympischen Geist
■ Bei den Panamerikanischen Spielen verliert Kuba im Baseball gegen die USA und fühlt sich auch sonst schlecht behandelt
Winnipeg (dpa) – Erstmals seit zwölf Jahren hat Kuba im Baseball gegen die USA verloren. „Dieser ungemein wichtige Sieg ist Balsam für unsere Seele“, jubelte der Amerikaner Craig Paquette nach dem 10:5-Erfolg bei den XIII. Panamerikanischen Spielen am Donnerstag in Winnipeg, „nun wissen wir, daß wir die übermächtigen Kubaner schlagen können.“ Der Coup des lediglich aus Minor-League-Spielern bestehenden US-Teams stürzte das Star-Ensemble des zweimaligen Olympiasiegers Kuba in schwere Depressionen. Zudem verschlechterte die unerwartete Niederlage die Laune von Fidel Castro weiter.
Kubas Staatspräsident hatte bereits am Dienstag bei einer Rede in Havanna gewettert, daß die Organisatoren in Winnipeg seinem Land übel mitspielten. „Wir haben nie zuvor so viele Tricks und soviel Schmutz bei den Pan American Games erlebt“, tobte Castro, „unsere Athleten treten in Feindesgebiet an.“ Der Staatschef beklagte, daß über 100 Wettbewerbe mit starker kubanischer Präsenz kurzfristig aus dem Programm gestrichen wurden, um die größten Rivalen USA und Kanada zu bevorteilen. Auch seien Regeländerungen im „wichtigsten und attraktivsten Sport Baseball“ (Castro) vorgenommen worden, um Kuba zu benachteiligen.
Die atmosphärischen Störungen hatten schon in der vergangenen Woche begonnen, als sich Mitglieder der kubanischen Delegation über Artikel in der Winnipeg Sun beschwerten. Die Zeitung hatte den Athleten eine Gebrauchsanleitung geliefert, wie man in Kanada Asyl beantragen kann. Vier Kubaner sollen sich mittlerweile abgesetzt haben. Da die Journalisten in den ersten Tagen überwiegend Fragen zu einer möglichen Flucht nach Nordamerika stellten, sagten die Kubaner Pressekonferenzen mit Stars wie Hochspringer Javier Sotomayor kurzfristig ab. José Ramón Fernandez, Präsident des Olympischen Komitees Kubas: „Dies hat alles nichts mehr mit dem olympischen Geist zu tun.“
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen