Kriegerdenkmal in Völlen: Der SS-Scherge aus Ostfriesland

Ein Kriegerdenkmal in der Provinz entpuppt sich als Problem. Dort wird ein SS-Massenmörder als Held gefeiert.

Inschriften auf einem Denkmal

Ein Ausschnitt vom Denkmal in Ostfriesland Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

BERLIN taz | Im ostfriesischen Völlen steht ein Denkmal, wie es Tausende in Deutschland gibt. Es ist aus rotem Backstein gebaut und erinnert mit seinen drei Namens­tafeln wohl nicht zufällig an einen dreiflügligen Altar. Auf den Tafeln stehen Namen verstorbener Deutscher, viele Namen. Darüber prangt die Inschrift „Unseren gefallenen Helden“.

Nun bestehen ohnehin schon berechtigte Zweifel daran, warum die für die Nazis kämpfenden und verstorbenen Soldaten „Helden“ gewesen sein sollen. Ein Held, so die landläufige Auffassung, hat eine positive Leistung erbracht – aber welche sollte das gewesen sein? Waren die Wehrmacht-Soldaten nicht in Wahrheit Handlanger militärischer Überfälle, völkisch-national begründeter Expansionsgelüste, der Unterdrückung ganzer Nationen und nicht zuletzt des Massenmords? Aber an diesem Widerspruch stört sich die Öffentlichkeit in der Regel nicht. Man hat sich an solche Denkmäler gewöhnt.

Nun beinhalten die Liste der „Helden“ auf dem Denkmal von Völlen aber einen ganz besonderen Namen. Es ist der von Johann Niemann, des stellvertretenden Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor, in dem etwa 180.000 Juden ermordet wurden. Davor war er KZ-Wachmann und am Mord Behinderter beteiligt. Niemann ist nicht gefallen, sondern wurde beim Aufstand der jüdischen Häftlinge von Sobibor am 14. Oktober 1943 mit Axthieben getötet.

Günther Eden, Vorsitzender des Bürgervereins Völlen, der für die Instandhaltung des Bauwerks zuständig ist, will erst kürzlich erfahren haben, dass Niemann am Holocaust beteiligt war. Allerdings ist die Rolle des SS-Untersturmführers spätestens seit dem Sobibor-Prozess in Hagen bekannt. Und der endete vor 55 Jahren.

Wovor mahnen?

Nach Protesten des Zentralrats der Juden in Deutschland will Eden das Denkmal nun renovieren. Eine Infotafel soll über die Verbrechen Niemanns informieren. Statt „Unseren Gefallenen Helden“ ist daran gedacht, dass dort künftig „Die Toten mahnen“ geschrieben steht.

Aber wovor bitte soll Johann Niemann mahnen? Etwa davor, dass man in Vernichtungslagern nicht vorsichtig genug agieren kann, um sich vor der eigenen Tötung durch die Häftlinge zu schützen? Davor, dass eine Karriere bei der SS vielleicht doch nicht erstrebenswert ist?

Johann Niemann war ein Massenmörder. Sein Name gehört getilgt.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben