Krieg in Äthiopien: Tigrays Hauptstadt eingenommen
Drei Wochen nach Beginn der Militäroffensive hat Äthiopiens Regierung nach eigenen Angaben die Stadt Mekelle unter ihre Kontrolle gebracht.
Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich, da die Telefon- und Internetverbindungen in Tigray unterbrochen sind. Zudem wird der Zugang in die im Norden gelegene Region strikt überwacht.
Ministerpräsident Achmed – der Friedensnobelpreisträger von 2019 – hatte vor rund drei Wochen eine Offensive gegen Tigray begonnen. Seitdem sind Schätzungen zufolge tausende Menschen getötet worden, zehntausende flohen in den benachbarten Sudan.
Achmed wirft der TPLF vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. Die Partei indes hält ihm vor, er verfolge sie und vertreibe TPLF-Politiker von Regierungs- und Sicherheitsposten. Die Bewohner Tigrays stellen rund sechs Prozent der 115 Millionen Bürgerinnen und Bürger Äthiopiens. Das Land ist eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen und wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Achmed vor zwei Jahren ins Amt kam.
Empfohlener externer Inhalt
Sorge um eritreische Flüchtlinge in Tigray
Das äthiopische Militär hatte am Samstag nach Angaben von Militär-Stabschef Birhanu Jula die Kontrolle über Mekelle mit ihren rund 500.000 Einwohnern übernommen. Ob es dabei Opfer unter der Zivilbevölkerung gab, blieb zunächst unklar. Menschenrechtsgruppen hatten zuvor entsprechende Sorgen geäußert. Der TPLF-Anführer Debretsion Gebremichael hatte am Samstag in einer Textnachricht an die Nachrichtenagentur Reuters erklärt, Mekelle liege unter schwerem Beschuss.
Debretsion warf zudem dem Militär des Nachbarn Eritrea vor, die Grenze überquert und Flüchtlingscamps in Tigray durchsucht zu haben, Sie hätten dort Menschen gefangen nehmen wollen, die in der Vergangenheit aus Eritrea nach Tigray geflüchtet seien. Der Chef der Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, erklärte, er sorge sich sehr um die rund 100.000 Flüchtlinge aus Eritrea in Äthiopien.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen