piwik no script img

Krieg durch Aushungern

■ Bauern fliehen vor Soldaten im mexikanischen Chiapas

San Cristóbal de las Casas (AP) Tausende indianische Bauern sind vor den vorrückenden mexikanischen Truppen in den Dschungel geflüchtet. In notdürftigen Behelfslagern leiden vor allem Frauen und Kinder an Mangelkrankheiten und Hunger. Die Männer sind meist noch weiter in die Berge geflohen.

Die Reporterin der spanischen Zeitung El Mundo, Guiomar Rovira, sagte, rund 5.000 Indiofrauen und -kinder aus dem Dorf Morelia hausten in überfüllten Bambushütten im Dschungel. Nur einmal täglich gebe es in dem Flüchtlingslager eine Maistortilla. Viele Kinder litten an Durchfallkrankheiten. Es fehle an Mitteln zur Trinkwasseraufbereitung. Die Menschen verließen am 10. Februar ihr Dorf, das an der Grenze des Einflußgebiets der EZLN-Rebellen liegt. Morelia war bereits vor dem von Präsident Ernesto Zedillo angeordneten Großeinsatz gegen die Führung der Aufständischen im Brennpunkt heftiger Zusammenstöße gewesen.

Im Dorf Ibarra berichteten einige wenige aus den Bergen zurückgekehrte Bauern, sie seien von Soldaten mit dem Tode bedroht worden, wenn sie nicht den Aufenthaltsort von Rebellenführer Marcos und anderen verrieten. Einer sagte, ihm sei ein Kleidungsstück über den Kopf gestülpt worden, dann sei er in ein anderes Dorf verschleppt worden. Die Soldaten hätten gedroht, ihn an einer Brücke aufzuhängen. Außerdem hätten sie ihm eine Schnittwunde an der Hand zugefügt und gesagt, sie würden ihm die Hand abschneiden, wenn er nicht aussage. Der Zwischenfall habe sich am 11. Februar ereignet. Anderen Bauern hätten die Soldaten die Gewehrläufe in den Mund gesteckt, um Aussagen zu erpressen.

Die Rebellenführerin Comandante Ramona rief in einem am Sonntag verbreiteten Videoband die Bauern auf, in ihre Dörfer zurückzukehren. An die Soldaten appellierte sie, sich zurückzuziehen. „Wir sind hungrig“, erklärte die geschwächt wirkende Frau.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen