■ Konzept für ein „attraktives Deutschland“: BDI fordert unbequemeres soziales Netz
Bonn (AP/dpa/taz) – Haushaltslöcher, Staatsverschuldung – alles kein Problem, meint der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Wenn man Bundespräsident Roman Herzogs letztjährige Rede vom „Ruck durch die Gesellschaft“ ernst nehme, lasse sich Deutschland für in- und ausländische Investoren „attraktiver“ gestalten. Wie vor kurzem bereits die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) fordert auch der BDI Einsparungen. „Ein soziales Netz, das hält, kann nicht auch bequem sein“, sagte Präsident Hans-Olaf Henkel. Wie das konkret aussehen soll, entwickelt der Verband in einem Zukunftsapier, das er auf der heute beginnenden Jahrestagung offiziell vorstellen will. Kernpunkt ist der Rückzug des Staats aus den Sozialversicherungssystemen, statt dessen sollen Rente und Krankenversorgung auf ein Grundmaß reduziert werden. Auch eine längere Lebensarbeitszeit über das gerade erst eingeführte Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus müsse zur Diskussion stehen. Anreize, länger zu arbeiten, solle es bereits jetzt geben.
Auch die Rezepte für den Arbeitsmarkt sind bekannt. Sie orientieren sich am bekannten Haßobjekt Flächentarifvertrag. Abschlüsse sollten mehr an den „Notwendigkeiten des einzelnen Betriebs“ ausgerichtet werden, sagte Henkel. Ebenso müsse bei Thema Bildung rechtzeitig mit dem Wettbewerb begonnen werden. „Chancengleichheit am Start“ könne nicht bedeuten, daß alle auch gleichzeitig am Ziel seien. Mögliche Strategie laut BDI: ein niedrigeres Einschulungsalter, acht Schuljahre als „Grundstock“ und das Abitur nach zwölf Jahren.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen