Konservative in Frankreich: 1.304 Stimmen nicht gezählt

Expremier François Fillon will seine Niederlage bei den Wahlen für den Vorsitz der UMP nicht hinnehmen. Er droht, vor Gericht zu ziehen.

Bereits zum Sieger erklärt: Jean-François Copé. Bild: reuters

PARIS taz | „Zum Lachen und zum Weinen“ findet Le Figaro das Spektakel, welches die konservative UMP (Union pour un Mouvement Populaire) gegenwärtig bietet. „Zu drollig“, amüsiert sich offen das linke Konkurrenzblatt Libération und sieht die rechte Oppositionspartei schon „im Zustand fortgeschrittener Verwesung“.

Die zuständigen Instanzen der UMP hatten am Dienstag nach einem langen Tauziehen mit Betrugsvorwürfen aus beiden Lagern den bisherigen Generalsekretär Jean-François Copé mit 98 Stimmen Unterschied zum Sieger erklärt.

Damit sollte ein Schlussstrich gezogen werden unter eine schlecht organisierte Wahl, die dem Image der UMP schon genügend geschadet hatte. Der offizielle Verlierer, Expremierminister François Fillon, aber hegte weiter Zweifel am Verdikt. Offenbar nicht zu Unrecht, denn am Mittwoch ließ er mitteilen, beim Auszählen seien schlicht 1.304 gültige Stimmen von drei Parteiverbänden aus Überseegebieten vergessen worden, und wenn diese mitgezählt würden, wie das nur normal wäre, heiße der effektive Sieger nicht Copé, sondern Fillon! Mit diesem „Coup de théâtre“ wurde die Sache praktisch ausweglos.

Am Mittwochabend sagte Fillon im Fernsehen, er sei konsterniert, aber im Interesse seiner politischen Familie bereit, auf den Parteivorsitz verzichten. Dies nur, wenn unter Führung des von allen respektierten Alain Juppé (Mitbegründer der UMP und vormals Premier) eine Interimsführung gebildet werde.

Das hat Copé zunächst abgelehnt. Er riet seinem Konkurrenten, sich an die Beschwerdekommission der UMP wenden … der allerdings Copé selbst vorsitzt und darum von Fillon als befangen betrachtet wird. Nun hat Copé selbst seine Kommission einberufen. Fillon hat ankündigt, er werde notfalls eine Klage einreichen und den Streit vor Gericht tragen.

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