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Konflikte und Widerstand

Das Human Rights Film Festival zeigt in mehreren Kinos Filme über humanitäre Krisen, Umweltzerstörung und den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen

Von Fabian Tietke

Als der Name der Protagonistin des Films „For Sama“ von Waad al-Kateab und Edward Watts das erste Mal fällt, beißt diese beherzt in ihren Fuß. Sama darf das, denn Sama ist zu diesem Zeitpunkt ein Kleinkind. Kurz darauf kommen die Granateneinschläge näher und die junge Familie flieht in den Keller. Die Lichter flackern, überall ist Staub. „For Sama“ ist ein filmischer Brief Waad al-Kateabs an ihre Tochter. Der Film blendet zurück an die Anfänge des syrischen Bürgerkriegs vor fast zehn Jahren, erzählt die Ereignisse in Syrien, in Aleppo, die Samas Eltern zu den Menschen machten, die sie heute sind.

„For Sama“ eröffnet am kommenden Mittwoch das diesjährige Human Rights Film Festival und ist in den Tagen danach noch einige Male zu sehen. Auch in seiner zweiten Ausgabe zieht das Festival in seinem Fokus auf Menschenrechtsverletzungen weltweit Verbindungslinien durch die Konflikte der Gegenwart, macht globale Konflikte und soziale Bewegungen sichtbar. 30 Dokumentarfilme stehen auf dem Programm. Die drei Programmschwerpunkte widmen sich humanitären Krisen, der Umweltzerstörung und ungehörten Stimmen im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen.

Spätestens mit dem Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja wurde die unabhängige, russische Zeitung Nowaja Gaseta international bekannt. Der usbekische Dokumentarfilmer Askold Kurov dokumentiert die Arbeit der Redaktion der Nowaja Gaseta in dem Film „Novaya“. Auch hier nimmt der Handlungsbogen des Films seinen Ausgang in Aleppo. Bei einer Recherche sucht die Redaktion Kontakt zu einem ihrer Mitarbeiter, der Arabisch spricht, um sich ein Bild von der Situation in Aleppo zu machen. Es stellt sich heraus, dass der Mitarbeiter kurz zuvor von den russischen Behörden verhaftet wurde und davon bedroht ist, nach Usbekistan ausgeliefert zu werden.

„Novaya“ zeigt die familiäre Redaktion der Nowaja Gaseta bei der Arbeit, um ihren Mitarbeiter vor der Abschiebung zu bewahren. Die Bilder zeugen vom Beharrungsvermögen der Journalist:innen: Eben noch haben sie einem amerikanischen Kollegen den Schreibtisch der Politkowskaja gezeigt, schon stehen sie mit einem russischen Kollegen am Schreibtisch des verhafteten Mitarbeiters.

Der südafrikanische Dokumentarfilmaktivist Rehad Desai porträtiert in „Everything Must Fall“ die gesellschaftskritische Studierendenbewegung, die sich 2015 als Reaktion auf die Erhöhung der Gebühren an südafrikanischen Universitäten formierte. Die Forderungen der Studierenden gingen schnell weit über die Gebühren hinaus und kritisierten das Fortbestehen weißer Eliten und die ungebrochenen Bildungstraditionen der Kolonialherrschaft und der Zeit der Apartheid. Darum verbündeten sie sich auch mit den Arbeiterinnen und Arbeitern auf dem Campus.

Als die Situation eskaliert und die Universitätsführung ein massives Polizeiaufgebot in die Uni ruft, weiten sich die Proteste aus, greifen auf den Rest des Landes über. In der Folge kommt es zu Auseinandersetzungen, an deren Ende drei Menschen tot sind und über 800 verletzt. „Everything Must Fall“ ist ein beeindruckendes Dokument einer Welle von Protesten, die faire Chancen auf Bildung als Ausgangspunkt einer Gesellschaftskritik genommen haben.

Dass die Eltern der deutsch­iranischen Schauspielerin Maryam Zaree in den 1980er Jahren im Teheraner Gefängnis Evin inhaftiert waren, wusste Zaree schon früh. Dass sie selbst im Gefängnis geboren wurde, erfuhr sie erst deutlich später. In „Born in Evin“, der auf der diesjährigen Berlinale Premiere feierte, bringt Zaree ihre eigene Perspektive mit der ihrer Eltern in Zwiesprache. Die Entdeckung ihres sehr speziellen Geburtsortes löst eine neuerliche Beschäftigung mit dem iranischen Exil nach 1979.

Das Human Rights Film Festival spannt den Bogen zwischen höchst persönlichen Geschichten, in denen sich das Weltgeschehen spiegelt, wie „For Sama“ und „Born in Evin“, und Porträts kollektiven Handelns wie in „Novaya“ und „Everything Must Fall“. Es versammelt Filme aus den unterschiedlichsten Kinematografien der Welt und gibt so über das Thema Menschenrechte hinaus einen Einblick in die globale Gegenwart.

Das Human Rights Film Festival läuft eine Woche lang vom Mittwoch, den 18. 9., bis Mittwoch, den 25. 9. in den Kinos International, Hackesche Höfe, Kino in der Kulturbrauerei, Yorck, Sputnik & City Kino Wedding. Mehr Infos & Programm unter: www.humanrightsfilmfestivalberlin.de

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