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Kommentar Antiterrorgesetze taugen wenig

Ralf Sotscheck

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Ralf Sotscheck

Die Reaktionen auf die letzten Terrorangriffe haben das Land nicht sicherer gemacht. Sie gefährden lediglich die Freiheit der britischen Bürger.

E s musste damit gerechnet werden. Nur die größten Optimisten hatten gehofft, dass mit Tony Blairs Rücktritt als britischer Premierminister auch die Terrorgefahr für Großbritannien verschwinden würde. Das Gegenteil ist der Fall: Dem Nachfolger Gordon Brown sollte offenbar frühzeitig verdeutlicht werden, dass ihm keine Flitterwochen nach seiner Amtsübernahme am vorigen Mittwoch vergönnt sind. Brown forderte die Bevölkerung auf, sich nicht vom "British way of life" abbringen zu lassen. Doch er gehörte der Regierung an, die nach den Terroranschlägen vom 7. Juli 2005 mit drastischen Gesetzen die bürgerlichen Freiheiten der Briten eingeschränkt hat: biometrische Personalausweise, Internierung ohne Anklage bis zu 28 Tagen, Ausgangsverbot, Kontaktsperre.

Am Wochenende zeigte sich, dass man das Problem so nicht in den Griff bekommt. Shami Chakrabati von der Bürgerrechtsorganisation "Liberty" lobte den neuen Premierminister gestern als "solide Vaterfigur", die oppositionellen Torys würdigten seine "besonnene Reaktion", die ihn wohltuend von Blair unterscheide. Die Lobeshymnen sind voreilig. Brown hatte bereits im Mai angekündigt, dass er die Antiterrorgesetze noch verschärfen wolle. So sollen Verdächtige bis zu 90 Tagen ohne Anklage festgehalten werden dürfen. Den ersten Versuch, dieses Gesetz durchzupeitschen, hatte das Unterhaus abgeschmettert.

Ralf Sotscheck, 53, berichtet seit 22 Jahren für die taz aus Dublin.

Anschläge sind damit ohnehin nicht zu verhindern, wie sich auch bei der Nordirland-Politik lange Jahre gezeigt hat. Erst durch die politischen Initiativen ist dort Ruhe eingekehrt. Aber da liegt das Problem. Beim heterogenen Netzwerk des islamischen Extremismus gibt es weder Verhandlungspartner noch irgendwelche realistischen Angebote, die man unterbreiten könnte. Die illegale Invasion des Irak hat dazu beigetragen, dass al-Qaida leichter in Großbritannien rekrutieren kann. Doch selbst der - wünschenswerte - Rückzug aus dem Irak würde den Terror auf der Insel nicht beenden. So bleibt die fatale Erkenntnis, dass man sich auf weitere Anschläge in Großbritannien und anderswo gefasst machen muss.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ralf Sotscheck

Ralf Sotscheck Korrespondent Irland/GB

Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht", "Zocken mit Jesus" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc. www.sotscheck.net
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