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Kommentar Ein Protest, der keinem hilft

Kommentar von

Kristina Pezzei

Mit dem Begriff "Gentrifizierung" wollen sich viele schmücken. Doch das verkennt den Ernst der Lage.

D er Begriff "Gentrifizierung" hat sich zum Schlachtruf der Stunde gemausert. Egal, wer wo durch die Straßen zieht, Autos anzündet oder - wie nun geplant - Zäune stürmt, stets ist es die "Gentrifizierung", die als Grund für den Protest herhalten muss. Das ist schade. Denn wer allzu inflationär mit dem Begriff umgeht und wenig Willens ist, zu differenzieren, verkennt den Ernst der Lage: Eine aktive Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik wäre in Berlin in der Tat dringend nötig.

Der mantraartig wiederholte Satz von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, in Berlin gebe es genug bezahlbare Wohnungen und ohnehin überdurchschnittlich viel Leerstand, ist eine Farce. Längst sind die Mieten für angenehme Wohnungen in einigen Kiezen in die Höhe geschnellt; wer umziehen will, wird mancherorts tatsächlich verdrängt. Die Politik schaut zu; dabei könnte sie einiges bewirken, wenn sie auf Instrumente wie den sozialen Wohnungsbau zurückgreifen würde: Raum für Menschen mit kleinem Geld, gut verteilt übers Stadtgebiet, könnte eine echte soziale Mischung fördern.

Wenn die Linksaktivisten "Gentrifizierung stoppen" rufen und nach einer "selbst bestimmten Stadtentwicklung" schreien, behindern sie die notwendige Diskussion um Wohnungspolitik eher. Sie machen Kritiker der derzeitigen Stadtpolitik angreifbar und ziehen deren Anliegen ins Lächerliche. Den Berlinern, die tatsächlich in Billig-Quartiere verdrängt werden, hilft das überhaupt nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • RS
    Richard Schmauck

    Selten so gelacht... was soll denn dieser absolut nichtssagende Kommentar? Was wird da eigentlich kommentiert? Wo waren denn die "behutsamen Stadterneuerer" die letzten Jahre? Die gesamte Stadt ist ruiniert worden, ohne dass da ein Pieps zu hören war oder irgendetwas bewegt worden sei. Ich kann die Anschläge gut verstehen. Und würde mal behaupten sie bringen was. Denn wenn jemand um sein Auto fürchten muss, oder die Scheiben engeschlagen zu bekommen, dann sucht er sich seine Wohnung woanders als im "Alternativkiez". Ich kann nur hoffen die Anschläge werden mehr. Alle anderen Wege den Teuerungen, Privatisierungen, Luxuswohnungen, Ausverkauf durch den Senat, Mediaspree usw. beizukommen sind ja gescheitert...

  • U
    urak

    Also ich habe definitiv keinen Bock ausschließlich in einem Ghetto für HARTZ-4-ler und 1-EURO-Shops zu leben. Das möchte ich auch keinen Kindern zumuten.

    Wenn aber mit dem Kampf gegen Gentrifizierung gemeint ist, ein Dorado für hippe Jung-Kreative zu schaffen, so ist das erst recht kontraproduktiv lediglich ein Kampf für hipp-befreite-Zonen.

    Für eine soziale Durchmischung aller Stadtteile.

  • AM
    Anna Melcher

    So einen Blödsinn habe ich ja selten in meinem Leben gelesen. Das klingt ja wie die Argumentation Frauen würden durch aufreizende Kleidung Männer provozieren.

    Ich habe eine bezahlbare Wohnung, während um mich herum alles teuer wird. Ich bin froh um jedes angezündete Nobelauto und um jeden eingeschlagenen Yuppie-Laden. Während alles andere über Jahrzehnte wirkungslos war und der Senat nichts tut, ist im Carloft in Kreuzberg nur eine einzige der Loft-Wohnungen vermietet worden, an einen Diplomaten, der jeden Tag mit Polizeischutz unterwegs ist. Das sagt doch alles.