Kommentar: Gezieltes Scheitern
■ Bildungspolitik als Spiel mit Bande
Warum freut sich Bildungssenator Henning Scherf, wenn dieser Tage gegen die Bildungspolitik demonstriert wird? Ganz einfach: Es sind Haushaltsberatungen. Nichts beeindruckt die Haushaltsexperten so sehr wie das Bild von der großen Demonstration auf dem Marktplatz, wenn sich da Wähler oder gar die Parteibasis unters Volk gemischt hat. Den Demonstranten ist das heimliche Bündnis bewußt: Die Proteste gegen die Bildungspolitik wenden sich nicht gegen den obersten Bildungspolitiker: So grell die Farben sind, in denen seine Politik gemalt wird - niemand fordert Scherfs Rücktritt.
Ein kompliziertes Spiel mit Bande in diesem Sinne ist auch die Katastrophe des „Gymnasiums Obervieland“. Die FDP hatte in den Koalitionsverhandlungen ein durchgängiges Gymnasium „links der Weser“ durchgesetzt, aber sie hatte nicht die Kraft, auch einen Standort durchzusetzen, an dem es zu einem Erfolg werden konnte. Der drohte am Standort Huckelriede - im Volksmund immer noch „Gymnasium“ genannt, wiewohl längst zum „Sek-II-Zentrum“ verkürzt. Die Bildungsbehörde wollte, wenn sie das Gymnasium schon nicht verhindern konnte, es wenigstens als Mißerfolg organisieren. Deshalb durfte kein tradierter Gymnasial-Standort gewählt werden, sondern es mußte ein Standort mit entgegengesetzer Schulkultur und entgegenstehendem Image sein. Alles sprach deshalb für Obervieland - damit das neue Gymnasium scheiitert.Klaus Wolschners
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen