Kommentar zweigliedriges Schulsystem: Zwei Schulen unter einem Dach

Von einer Einsicht in das Scheitern des dreigliedrigen Schulsystems kann keine Rede sein. Die schwarz-gelbe Landesregierung knickt lediglich vor der Macht des Faktischen ein: Haupt- und Realschulen fehlt es an Schülern.

Mit Niedersachsen schafft das letzte Land im Norden die Hauptschule ab. Ist das jetzt eine gute Nachricht? Besser müsste man vielleicht fragen, ob das überhaupt eine Nachricht ist.

Von einem bildungspolitischen Umsteuern, einer Einsicht in das Scheitern des dreigliedrigen Schulsystems gar, kann nämlich keine Rede sein. Die schwarz-gelbe Landesregierung knickt lediglich vor der Macht des Faktischen ein: Haupt- und Realschulen wären in den Weiten Niedersachsens mittelfristig nur noch zu enorm hohen Kosten als Zwergschulen überlebensfähig, weil ihnen die Schüler ausgehen. Die neue Oberschule ist vor diesem Hintergrund vor allem als Waffe im Abwehrkampf gegen die bei den Eltern populäre integrierte Gesamtschule zu verstehen, deren flächendeckende Verbreitung die Regierung um jeden Preis verhindern will.

Die mitregierende FDP pocht schon lautstark auf "Leistungsdifferenzierung", sprich: Sie will eigentlich zwei Schulen unter einem Dach, die sich bestenfalls Verwaltung und Ausstattung teilen. Das wäre dann nicht die binnendurchlässige Stadtteilschule Hamburger Zuschnitts, in der auch Spätzünder noch vom Hauptschul-Niveau bis zum Abi durchstarten können.

Wie diese wird Niedersachsens neue Restschule den Run auf die Gymnasien verschärfen, nach dem Motto: Rette sich, wer kann.

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Jan Kahlcke, geboren 1967, von 1999 bis 2003 Volontär und Redakteur bei der taz.bremen, kehrte nach freien Lehr- und Wanderjahren 2007 als Redaktionsleiter zur taz.nord zurück

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