Kommentar zur Bertelsmann-Bildungsstudie: Besser schließen statt fördern
Laut Bertelsmann-Studie haben immer weniger junge Menschen keinen Schulabschluss. Das es so weitergeht, ist eher eine fromme Hoffnung.
I mmerhin diese Nachricht wird die Bildungspolitiker freuen: Die Zahl der jungen Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, sinkt. Das ist der größte, aber leider auch einzige wirkliche Erfolg, den die neue Bertelsmann-Studie dem deutschen Schulsystem attestiert.
Dass die Abbrecherquote weiter sinken wird, ist eher fromme Hoffnung. Vier Prozent haben Bund und Länder für 2015 angepeilt. Ob sie dieses Ziel wirklich erreichen?
Wie viele Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss und damit faktisch chancenlos ins Leben entlassen werden, hängt ganz wesentlich mit einer anderen Frage zusammen: Wie viele behinderte Kinder können normale Schulen besuchen? Deutschlands Schulabbrecher, das sind zwar oft frustrierte Hauptschüler. In Massen kommen sie aber aus den Förderschulen. Auch wenn sie so heißen: Diese Schulen fördern kaum. Sie produzieren Verlierer.
Und es steht zu befürchten, dass sie das weiterhin tun – allen Bekundungen zur Inklusion zum Trotz. Zwar steigt der Anteil behinderter Kinder im Regelunterricht – aber eben nicht dadurch, dass Schüler aus der Bildungssackgasse Förderschule herausgeholt würden. Inklusion bedeutet bisher vor allem: Regelschulen stempeln einen Teil ihrer Klientel als behindert ab, um so mehr Lehrerstellen zu erhalten.
Kaum Wege aus der Förderschule
Der Landesrechnungshof NRW hat diese Praxis kürzlich scharf kritisiert – und festgestellt, dass zwar viele Wege in die Förderschule führen, aber kaum welche hinaus. „Nur in sehr wenigen Fällen“, so die Rechnungsprüfer, sei es „zu einer Rückschulung in die allgemeinbildende Schule gekommen“ – trotz jährlicher Untersuchungen, die genau das zum Ziel haben.
Es bleibt nur ein Weg: Wer weniger Schulabbrecher will, der muss die Förderschulen schließen.
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