Kommentar zum Trinkverbot für Eltern

Doch nicht so spießig wie gedacht

Die Eltern vom Prenzlauer Berg wollen sich nicht das Weißweinglas an der Wippe aus der Hand nehmen lassen. Recht so!

Weißwein im Freien Foto: dpa

Prenzlauer Berger Eltern müssen für gewöhnlich viel Prügel einstecken – einfach, weil sie in Prenzlauer Berg wohnen und weil sie Eltern sind. Prenzlauer Berger Eltern sind spießig, glauben aber, dass die Spießer immer die anderen sind.

Zeit, dass endlich mal jemand mit diesen Nerv-Klischees aufräumt (das Fünkchen Wahrheit dahinter: heute mal geschenkt!). Und da könnte Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) gerade unfreiwillig eine Lanze für die Prenzlauer Berger Elternschaft gebrochen haben: Allen Ernstes will der Grüne, zuständig für das Grünflächenamt, den Eltern die gepflegte Weißweinschorle am Spielplatzrand verbieten – und argumentiert unter anderem mit Kindeswohlgefährdung am Spielplatzrand.

Zu Recht reagierten die Eltern vergrätzt ob dieser Gängelung von oben, und die Bezirksverordnetenversammlung hat das Kuhn’sche Alkoholverbot ja nun auch erst einmal abgeblockt (der Stadtrat hat allerdings schon angekündigt, sein Ziel weiterverfolgen zu wollen).

Nun sind die Grünen Law-and-Order-Anfällen nicht unverdächtig. Kuhns Parteikollege in Mitte, Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel, zieht bei jeder Gelegenheit für Sauberkeit und Ordnung zu Felde, sei es in Sachen Trinker auf dem Leopoldplatz oder Straßenstrich an der Kurfürstenstraße. Bei der Pankower Spielplatzaffäre verkomplizieren nun allerdings keine diffizilen Debatten über Obdachlose und Armutsprostitution den Blick auf das, worum es dabei auch immer geht: dass auch in einer vermeintlich so libertären Stadt wie Berlin das Freigeistige eine äußerst flüchtige Angelegenheit ist. Anders gesagt: Man muss aufpassen, dass einem das Weinglas an der Wippe nicht aus der Hand genommen wird.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Prenzlauer Berger Eltern da mal die good guys sein würden? Cheers!

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