Kommentar Zahnspangen: Mut zur Lücke!
Wenn es um die Zahnbehandlung ihrer Kinder geht, sollten Eltern sich nicht voreilig zu sinnlosen Maßnahmen überreden lassen.
W enn der Landesverband der Deutschen Kieferorthopäden sagt, es sei wichtig, Eltern umfassend über die Zahnbehandlung ihrer Kinder zu informieren, dann ist das löblich – aber auch eine Binsenweisheit. Sie widerspricht den Vorstellungen der Krankenkassen nämlich keineswegs. Denen ist ebenfalls an Prophylaxe gelegen, um möglichst wenig für Folgebehandlungen zu zahlen. Insofern gibt es kaum Gründe, an der Aussage der HKK zu zweifeln, dass Zahnspangen nicht immer notwendig seien.
Viele Eltern haben’s ohnehin geahnt, denn obwohl ihre Kinder weder Beschwerden noch eine sichtbare Fehlstellung der Zähne haben, sollen sie eine Spange bekommen. Dabei können die festsitzenden Spangen sogar dem Zahnschmelz schaden.
Zahnärzte und Kieferorthopäden sind keine allwissenden Halbgötter in Weiß. Sie schielen durchaus (auch) auf ihren Profit. Deshalb sollten sich Eltern nicht voreilig zu sinnlosen Maßnahmen überreden lassen – übrigens auch nicht von ihrem Nachwuchs selbst: Über 30 Prozent der befragten Jugendlichen wollte „einfach besser aussehen“. Minderjährigen auf einen solch banalen Wunsch hin (sähe Vanessa Paradis ohne ihre Zahnlücke etwa besser aus?) eine schmerzhafte und möglicherweise schädliche Behandlung zukommen zu lassen, grenzt fast an Körperverletzung.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt