Kommentar Wildtierverbot im Zirkus: Der Druck steigt

Die Forderung nach einem Wildtierverbot in der Manege ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Das wird nun auch die CDU auf Bundesebene merken.

Eine Demonstrantin im Kamel-Kostüm trägt ein Schild mit der Aufschrift: "Ich gehöre nicht in den Zirkus".

Den Standpunkt dieser Berliner Demonstrantin teilt mittlerweile auch die Nord-CDU Foto: dpa

Noch vor hundert Jahren war es für die ganze Familie ein aufregender Zeitvertreib, sich am Sonntagnachmittag im Zoo „Menschenrassen am Nil“ anzuschauen. In den USA stellten Freakshows Menschen mit Behinderung aus, um den Betrachter*innen einen Schauder über den Rücken laufen zu lassen. Es hat gedauert, bis dieses Unterhaltungsprogramm, das die Menschen und ihre Würde verachtete, gesellschaftlich geächtet wurde.

Ich möchte die Situation dieser Menschen und ihr großes Leid nicht mit dem von Tieren vergleichen. Was sich aber vergleichen lässt, ist die veränderte Stimmung in der Gesellschaft. Elefanten, die auf einem kleinen Podest balancieren, Robben, die einen Ball auf der Nase drehen lassen: Das gehört zum Erlebnis Zirkus dazu – oder etwa nicht mehr?

Die Forderung nach einem Wildtierverbot in der Manege wird nicht mehr nur von radikalen Tierschützer*innen gestellt. Sie ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Dass nun mit Schleswig-Holstein auch ein CDU-geführtes Bundesland weiße Tiger, jonglierende Affen und fahrradfahrende Braunbären im Zirkus verbieten will, ist bemerkenswert, denn im Bund blockiert die CDU das Wildtierverbot. Der Druck steigt.

Es kann aber nur ein erster Schritt sein. Auch Hunde oder Pferde haben im Zirkus nichts zu suchen. Die laute Musik, das grelle Licht, die langen Transporte stressen jedes Tier. Dass die Umstellung gelingen kann, hat der Circus Roncalli bewiesen. Seit diesem Jahr treten dort nur noch Menschen auf. Unterhaltung verändert sich, genau wie Gesellschaften. Im Jahr 2018 sollten wir uns nicht mehr auf Kosten anderer amüsieren.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Redaktionsleiterin der taz nord. Davor Niedersachsen Korrespondentin der taz. Schwerpunkte sind Themen wie Asyl und Integration, Landwirtschaft und Tierschutz.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de