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Kommentar Verfassungsschutz-Vortrag über Identitäre Extrem sind die anderen

Andreas Speit

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Andreas Speit

Der Bremer Verfassungsschutz berichtet leider nur über „Geheimnisse“ der Identitären Bewegung, die längst in die Öffentlichkeit gelangt sind

M ehr Informationen wären nett gewesen. „Ich habe ein paar Bilder mitgebracht, um sie nicht zuzutexten“, schloss der stellvertretende Leiter des Bremer Landesamtes für Verfassungsschutz (VS), Stefan Ravens, am Mittwochabend seinen Vortag über die Identitäre Bewegung (IB) bei der Konrad Adenauer Stiftung (KAS). Neues hatte er nicht gesagt: Jede Aktion, die Ravens vorstellte, hatte die IB bereits selbst in den sozialen Medien promotet.

Völlig unklar blieb, wie stark das Amt die personellen Vernetzungen zwischen der rechtsextremen IB und rechtspopulistischen AfD einschätzt. Ravens sagte nur, die Milieus lösten sich deutlich auf. Davor warnen SozialwissenschaftlerInnen und ExpertInnen für Rechtsextremismus seit Jahren – hat sich das politische Klima doch weit nach rechts verschoben.

Erst die Erweiterung des Sag- und Wählbaren durch die gesellschaftliche Mitte jedoch ermöglichte die Anschlussfähigkeit der IB. Ravens betonte unermüdlich, „professionelle PR“ sei der Grund für den Zulauf, aber offen zur Schau getragene rechte Ressentiments in der Mitte sorgen ebenso dafür, dass die Grenzen fließend sind.

Das verrieten nicht zuletzt die Anmerkungen und Fragen des Publikums: Sei die Identität der Deutschen nicht doch gefährdet? Gebe es nicht den großen „Bevölkerungsaustausch“? Doch über sich selbst wollte man bei der CDU-nahen KAS nicht reden. Dafür griff das Publikum dankbar Ravens Querverweise zum Linksextremismus auf.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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