piwik no script img

Kommentar Umweltpolitik von Union und SPD Öko-Rhetorik der Wahlkampfstrategen

Malte Kreutzfeldt

Kommentar von

Malte Kreutzfeldt

Wenn Umweltpolitik von Union und SPD reine Öko-Rhetorik bleibt, ist das nicht nur für die Umwelt schlimm - es wird auch den Parteien nichts nützen.

E ins immerhin haben die Wahlkampfstrategen von Union und SPD verstanden, seit die Grünen bei Europa- und Kommunalwahlen Rekordergebnisse eingefahren haben: Die Gruppe der ökologisch denkenden Menschen wächst weiter, und wer im urbanen Bildungsbürgertum punkten will, muss sich klar zum Umweltschutz bekennen.

Malte Kreutzfeldt ist Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.

Eilig werden derzeit wohlklingende Sätze in die Wahlprogramme eingefügt und fortschrittliche Papiere präsentiert. Die Bekenntnisse zu Klimaschutz und lebenswerter Umwelt mögen beeindruckend klingen. Doch schon beim SPD-Kanzlerkandidaten, der bisher kaum durch Ökointeresse aufgefallenen ist, wirkt das Engagement aufgesetzt. Und wer sich bei CDU und CSU die reale Politik der letzten Jahre anschaut, ist vor allem von einem beeindruckt: von der Unverfrorenheit dieser selbst ernannten Öko-Parteien.

Ob Waldgesetz oder Umweltgesetzbuch, ob Effizienzgesetz, Versteigerung von CO2-Zertifikaten oder EU-Autorichtlinie: Praktisch jedes umweltpolitische Projekt dieser Legislatur hat die Union bekämpft. Im besten Fall wurden die Gesetze dadurch nur verzögert oder abgeschwächt, häufig aber völlig verhindert.

Natürlich muss selbst der Union zugestanden werden, dass sie dazulernen kann, und jeder Schritt in diese Richtung ist zu begrüßen. Doch ein wenig Bezug zur Realität sollte schon gegeben sein. Nicht nur die Umwelt hat ein Problem, wenn es bei reiner Öko-Rhetorik bleibt. Auch der Partei wird das nichts nützen. Denn die neue Wählergruppe, die sie erreichen will, ist nicht nur ökologisch orientiert, sondern auch politisch interessiert und gut gebildet. Dass diese Menschen auf ein dermaßen plumpes Täuschungsmanöver hereinfallen, ist zum Glück sehr unwahrscheinlich.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Malte Kreutzfeldt

Malte Kreutzfeldt ehemaliger Redakteur

Jahrgang 1971, war bis September 2022 Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • AD
    Axel Dörken

    Auch wenn ich Heute keine Filme von Stephen king mehr ansehe, hat mich doch ein Satz in seinem Film "Christine" geprägt:

     

    "Kuhmist kann man nicht polieren."

     

    Es kommt immer der Tag der Erkenntnis, ob jemand ehrlich oder unehrlich war. Und immer mehr Menschen begreifen, dass an der Aussage des Volksmund: "ehrlich wärt am längsten", mehr dran ist, als die Einzelnen (noch) immer in der Masse der Merhzahl als wahr anerkennen.

     

    Wieos weiter Parteien wählen? Wählt Direktkandidaten. Die sind freier in der Meinungsäußerung und nicht an eine Parteidisziplin in der Meinung gebunden.