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Kommentar US-Vorwahlen JFK - oder Jesse Jackson?

Kommentar von

Adrienne Woltersdorf

Hillary Clinton versucht, Obama als Kandidaten einer Minderheit darzustellen. Das Ergebnis von South Carolina zeigt, dass sie sich damit verkalkultiert haben könnte.

ADRIENNE WOLTERSDORF ist USA-Korrespondentin der taz.

Ohne Zweifel war ein weiterer Sieg für den jungen schwarzen Senator dringend nötig, wenn sein guter Start in der Primaries-Serie nicht als Ausrutscher gelten sollte. Doch ist der Wahlsieg in South Carolina auch segensreich? Anders formuliert: Ist Barack Obama nun John F. Kennedy - oder doch eher Jesse Jackson? Ist er universal, schwarz-weiß oder eben doch schwarz?

Diese Frage stellt nicht die schwarze Wählerschaft der USA. Für sie ist Obama, dessen Mutter eine weiße US-Amerikanerin aus Wisconsin und dessen Vater Kenianer war, vielmehr ein Mensch mit universaler Hautfarbe und gesamtgesellschaftlichem Appeal. Als schwarz möchte ihn hingegen das weiße Establishment sehen. Genauer gesagt, das weiße Establishment um Bill und Hillary Clinton. Sie versuchen, Obama zu einem Minderheitenkandidaten zu degradieren - und damit das Bild eines nicht präsidialen Fürsprechers einer kleinen Gruppe Unterdrückter zu malen.

Das überwältigende Sieg Obamas in South Carolina legt nahe, dass sich die Clintons verrechnen könnten. Ein Viertel aller weißen Demokraten gab am Samstag Obama seine Stimme. Schon in Iowa, wo Obama haushoch über Clinton siegte, war er ausschließlich von weißen Wählern gekürt worden. Kommende Woche aber werden Millionen von US-Amerikanern im ganzen Land wählen, Menschen, denen die Clintons seit Jahren vertraut sind und die Obama nur aus der Ferne kennen. Bislang gelingt es ihm erstaunlich gut, sich als universaler Kandidat der Zukunft zu präsentieren und dabei Clinton als Vertreterin des alten Washington aussehen zu lassen. Doch ist es naiv, zu denken, dass Barack Obama mit seiner Kandidatur nicht gleichzeitig an den Grundfesten der Rassenfrage rüttelt. Kann ein Mann mit dunkler Hautfarbe überhaupt ein John F. Kennedy sein? Einer, der das zutiefst gespaltene Land aufgrund seiner intellektuellen Brillanz, seiner Jugend und seiner unverbrauchten Vision einen kann? Oder wird sich der demokratische Mainstream, der sich aufrichtig nach einem Neuanfang sehnt, in letzter Konsequenz doch für eine weiße Frau statt für einen schwarzen Mann entscheiden?

ADRIENNE WOLTERSDORF

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