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Kommentar Tarifgespräche Bahn Ende des Lohndumpings

Kommentar von

Richard Rother

Günstiges Bahnfahren versus anständige Löhne: Eine vernünftige Lösung für diesen Konflikt wäre, für alle Bahner gleiche Arbeits- und Lohnbedingungen zu schaffen.

D ie Kunden und Kundinnen von Bahnunternehmen möchten schnell, sicher und pünktlich von A nach B gebracht werden - und zwar möglichst günstig. Die Beschäftigten von Bahnunternehmen möchten einen sicheren, stressfreien Arbeitsplatz - und einen auskömmlichen Lohn. Die Interessen beider Seiten sind absolut verständlich, stehen sich aber in der Realität durchaus konfrontativ gegenüber. Umso weniger Lohn ein Lokführer kriegt, umso günstiger kann das Unternehmen fahren, das so - zumindest theoretisch - Spielraum für Fahrpreissenkungen gewinnt.

Im Schienenpersonennahverkehr, der von den Bundesländern bestellt wird, herrscht mittlerweile ein reger Wettbewerb. Den Zuschlag, bestimmte Strecken zu bedienen, erhalten dabei oft die Unternehmen, die mehr Leistung für weniger Geld anbieten. Darüber freuen sich nicht nur die Verkehrspolitiker und Umweltschützer, auch die Kunden und Steuerzahler profitieren davon, dass die Deutsche Bahn ihre langjährige Monopolstellung verloren hat. Aber Bahnbeschäftigte, die bei einem Dumpinganbieter gelandet sind, sehen das anders; denn der Wettbewerb wird auf ihrem Rücken ausgetragen.

Eine vernünftige Lösung für diesen Konflikt - günstiges Bahnfahren versus anständige Löhne - wäre, für alle Bahner gleiche Arbeits- und Lohnbedingungen zu schaffen. Dies würde gleichzeitig ausschließen, dass der Wettbewerb künftig über Dumpinglöhne ausgetragen würde; stattdessen würden Service und Zuverlässigkeit wichtigere Vergabekriterien, was letztlich auch den Passagieren nützte. Die Chancen für branchenweit geltende Tarifverträge sind trotz angekündigter Streiks nicht schlecht - und tatsächlich käme ein neuer Tarifvertrag in der zunehmend von Wettbewerb geprägten Branche einer kleinen Revolution gleich.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Richard Rother Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Geboren 1969 in Ost-Berlin. Studium an der FU Berlin. Bei der taz seit 1999, zunächst im Berliner Lokalteil. Schwerpunkte sind Verkehrs- und Unternehmenspolitik.
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1 Kommentar

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  • B
    Bahnvielfahrerin

    Wenn an dieser Stelle schon über angebliche "Dumpinglöhne" berichtet werden muss - wo sind bitteschön die Fakten?

    Präzise Angaben zu den Gehältern der Angestellten wären angebracht.

    Da der Autor es aber vorzieht, dies zu unterlassen, bleibt der Artikel auf hetzerisch-suggestivem Niveau.