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Kommentar Röttgen-Wahl Das Scherbengericht

Kommentar von

Andreas Wyputta

Die CDU-Basis in Nordrhein-Westfalen hat schlicht genug von immer neuen Affären der Landespartei. Die Wahl Röttgens ist die Abrechnung. Der muss jetzt aufräumen.

D ie CDU-Basis in Nordrhein-Westfalen kürt Bundesumweltminister Norbert Röttgen zum neuen Parteichef: Für die Spitze der eigenen Landespartei kommt dieses Ergebnis einem Misstrauensvotum gleich. Denn ursprünglich hatte die Düsseldorfer Parteizentrale die Mitgliederbefragung angesetzt, um der Basis die Möglichkeit zu geben, so mit dem Fehlstart der Bundesregierung und damit auch mit Umweltminister Röttgen abzurechnen. Stattdessen geriet das Votum zur Abstimmung gegen die Führung der Landespartei selbst.

Die CDU-Basis in Nordrhein-Westfalen hat schlicht genug von immer neuen Affären und Affärchen der Landespartei. Und sie hat verstanden, dass die CDU im größten Bundesland derzeit nicht regierungsfähig ist. In Umfragen dümpelt sie bei 30 Prozent, und Rüttgers einstiger Partner FDP droht im Nirwana der außerparlamentarischen Opposition zu verschwinden. Krafts rot-grüne Minderheitsregierung dagegen könnte bei Neuwahlen dank der Grünen auf eine absolute Mehrheit hoffen.

Der neue Parteichef Norbert Röttgen wird jetzt intern aufräumen und die Scherben kitten müssen. Viele im Parteiapparat fürchten um ihre Jobs. Galionsfiguren wie Landesgeneral Andreas Krautscheid werden ihren Posten wohl räumen müssen.

Inhaltlich gab es keine großen Unterschiede zwischen Röttgen und seinem Kontrahenten Armin Laschet. Der Landesvorsitzende müsse in Düsseldorf präsent sein, um schnell gegen SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft antreten zu können - so lautete das Hauptargument der Röttgen-Gegner. Röttgen kann sich jetzt Zeit mit der Entscheidung lassen, wohin er den Landesverband der CDU führen will. Denn derzeit fühlt sich die Minderheitsregierung in Düsseldorf so stark, dass sie der Opposition mit Neuwahlen droht - und nicht umgekehrt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Wyputta Inlandskorrespondent

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1 Kommentar

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  • M
    Matti

    Röttgen kann aufräumen wie er will, die CDU wird in NRW nichts mehr zu sagen haben.

    Warum ist den Rüttgers überhaupt Ministerpräsident geworden?

    Die SPD sollte von den Wählern einen Denkzettel bekommen und weil Rüttgers gerade dumm rum stand, ist er Ministerpräsident geworden. Kein Mensch in NRW hat Rüttgers gemocht, das weiß dieser Mensch auch. Wie schnell er von der Bildfläche verschwunden war, haben alle gesehen. Rüttgers war ein Popanz, ein Nonsens.