piwik no script img

Kommentar ReedereifusionHamburger Monopoly

Kommentar von

Sven-Michael Veit

Der Senat darf den Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Euro nicht in einem Börsenmonopoly aufs Spiel setzen.

S o entstehen Sachzwänge. Die im Weltmaßstab klitzekleine Hansestadt Hamburg ist dabei, sich zu einem Global Player des Welthandels aufzuschwingen. Das war sie schon mal in der Blüte der Hanse, aber da war die Welt noch kleiner. Und erschwerend kommt hinzu, dass die Stadt das Heft des Handelns aus der Hand zu verlieren droht: Hamburg wird zu einem Getriebenen.

Bei einer Fusion von Hapag-Lloyd und Hamburg Süd zur viertgrößten Frachtreederei weltweit wird der Einfluss Hamburgs auf deren Geschäftsgebaren logischerweise geringer. Und das birgt die Gefahr, dass der Wert der Hamburger Anteile sinkt. Die aber wurden gekauft mit dem Versprechen, sie nach der Sicherung der Reederei wieder mit Gewinn zu verkaufen.

Deshalb steht Bürgermeister Olaf Scholz in der Pflicht, die städtischen Werte zu sichern. Der über Kredite finanzierte Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Euro darf nicht in einem globalen Börsenmonopoly aufs Spiel gesetzt werden.

Die Kreditzinsen dafür kosten die Stadt jährlich etwa 30 Millionen Euro, die erhoffte Dividende von 35 Millionen Euro aber bleibt in diesem Jahr aus. Hapag-Lloyd ist zurzeit für Hamburg ein Minusgeschäft. Deshalb müssen die Risiken der Fusion für die Stadt ehrlich analysiert und dargestellt werden.

„Wir wollen unser Geld zurück“, hatte Scholz im März versprochen. Das ist der Maßstab – auf Euro und Cent.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Hamburg-Redakteur
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • RM
    Rene Meyer

    Ziel der Fusion ist es, trotz der gegenwärtigen Krise den Wert der beiden Unternehmen zu sichern und zu steigern. Das mag dazu führen, dass das Gewicht Hamburgs bei Unternehmensentscheidungen geringer wird und auch Arbeitsplätze in Hamburg verschwinden.

     

    Allerdings wird dadurch der Wert des Hamburger Anteils in Euro und Cent nicht sinken. Vermutlich ist es sogar der einzige Weg, damit Hamburg sein Geld zurückbekommen kann; denn die Preise von Beteiligungen, die Verluste ausweisen müssen oder gar insolvent werden, sinken bekanntlich.

     

    Dieses Monopoly mag daher durchaus negative Aspekte besitzen, für die Hansestadt dürfte es jedoch in finanzieller Hinsicht eher werterhaltend sein.