Kommentar Pakistan : Der Sieg hängt am Termin
Die Verschiebung der Wahlen in Pakistan ist angesichts der Unruhen verständlich. Glaubwürdig kann sie aber nur begründet werden, wenn sich die Parteien auf einen sehr baldigen neuen Termin einigen.
D ie Verschiebung der Wahlen in Pakistan auf einen noch nicht genannten Termin ist verständlich angesichts der nach dem Mord an der Oppositionsführerin Benazir Bhutto ausgebrochenen Unruhen, bei denen auch zahlreiche Wahlunterlagen verbrannten. Zudem ist der rechtzeitige Druck und die landesweite Verteilung der Stimmzettel gefährdet. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. So dürfte am Ende eher politisches Kalkül über den Termin entscheiden als die Sorge um die korrekte Durchführung.
Zunächst war erwartet worden, dass es in Bhuttos Volkspartei (PPP) Kämpfe um ihre Nachfolge geben könnte. Doch weil die Partei sich schnell auf Sohn und Witwer als neues Führungsduo verständigen konnte, will die PPP jetzt vom Märtyrer- und Mitleidsbonus profitieren. Sie drängt daher auf den ursprünglichen Wahltermin am 8. Januar. Aus ihrer Sicht führt jede Verzögerung nur dazu, dass die Wähler über die vielen offenen Fragen der um ihre charismatische Führerin beraubten Partei nachdenken und sich angesichts des mit der Zeit verblassenden Bhutto-Mythos abwenden könnten. Auch die andere Oppositionspartei, die PML-N von Nawaz Sharif, hat entgegen einem früherem Boykottbeschluss jetzt plötzlich Interesse am frühen Wahltermin. Sie hofft, viele Stimmen aus dem Lager der PPP zu bekommen, weil sie anders als diese noch eine bekannte und halbwegs beliebte Führungsfigur hat. Demgegenüber quält die bisherige Regierungspartei PML-Q die Angst, beim ursprünglichen Termin die Quittung für die ihr von vielen unterstellte Mitverantwortung am Bhutto-Mord zu bekommen. Für die PML-Q ist die Verschiebung opportun, da sie erlaubt, die vorsichtige Annäherung der beiden Oppositionsparteien zu hintertreiben.
Eine Verschiebung der Wahlen kann nur dann glaubwürdig mit den durch die Unruhen entstandenen logistischen Problemen begründet werden, wenn sich die drei großen Parteien auf einen sehr baldigen neuen Termin einigen. Das ist nicht ausgeschlossen, angesichts der aufgeheizten Atmosphäre aber keinesfalls sicher.
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