piwik no script img

Kommentar Ökowohnsiedlung Eon vergeigt eine Chance

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Seit mehr als einem Jahr beliefert Eon die Solarsiedlung Karlshöhe nicht mehr mit Sonnenwärme. Dies den Energiepionieren mitzuteilen hielt Eon nicht für nötig.

D er Energieversorger Eon Hanse hat einen ungeheuren Bock geschossen. Seit mehr als einem Jahr beliefert er die Solarsiedlung Karlshöhe nicht mehr mit Sonnenwärme. Dies den Energiepionieren mitzuteilen, die vor zehn Jahren voller Idealismus hier eingezogen sind, hielt Eon nicht für nötig. Dabei wirbt die Firma gleichzeitig bei "interessierten Wohnungsunternehmen, bis zu 20.000 Quadratmeter zusätzliche Kollektorfläche zu installieren". An dieser Sache ist eine ganze Menge windig.

Da sind nach zehn Jahren die Leitungen zum zentralen Wärmespeicher - dem Kernstück des Projekts - porös geworden. Auf den Pilotcharakter des Projekts lässt sich das aber nicht schieben - schließlich liegen Fernwärmeleitungen in der ganzen Stadt.

Mehr als ein Jahr lang will Eon Hanse überlegt haben, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte. Und dann ist der Unternehmenssprecher ist nicht einmal in der Lage, umfassend Auskunft zu geben. Vertrauen entsteht durch eine solches Verhalten nicht.

Eon Hanse hätte mit der Siedlung Braamwisch die Chance, sich mit einem Projekt zu profilieren, das wegen der Entwicklung der Klimadebatte und der Rohstoffprognosen aktueller ist denn je. Der Versorger könnte sich an die Brust klopfen und sagen: Seht her, wir machen das schon lange! Dass er das nicht tut, grenzt an Fahrlässigkeit.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

0 Kommentare